Peters

Garten- und Naturtagebuch

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Frühling 2012

Der März fängt so an, wie mit Ausnahme der sibirischen Periode in der ersten Februarhälfte fast der ganze Winter war: trüb. Grausam.

Am 3. März fliegen Kraniche unter diesem grau ver-
hangenen Himmel durch den Nieselregen. Allerdings in die falsche Richtung! Warum fliegen sie nach Südwesten? Das wäre in die Winterquartiere. Kommt etwa noch mal eine Kältewelle? Dieses Jahr wissen die armen Kraniche gar nicht mehr, was sie machen sollen. Aber vielleicht suchen sie einen Rastplatz, um bei dem trüben Wetter etwas auszuruhen.

krokusse



kraniche_2012
Kraniche Anfang März auf dem Weg nach Südwesten! Sie suchen wohl einen Ruheplatz in der Nähe. Das Fliegen wird momentan sehr anstrengend sein, und womöglich ist durch das Wetter auch die Navigation gestört.

 

 

schneegloeckchen_2012_1

 

 

Nach Vollmond, gegen Ende der ersten Märzdekade, fängt eine langsame Besserung des Wetters an, wenn auch zunächst sehr zögerlich. Am 9. März ziehen Kraniche zurück.

Am 15. März strömen von Südwesten milde und trockene Luftmassen herein.  Die Sonne setzt sich durch und die Temperaturen springen geradezu nach oben.

Im Garten fängt es – noch etwas zaghaft – an zu sprießen. Schneeglöckchen und Krokusse gab es schon. Nun die Lungenblumen mit ihren immer sehr früh erscheinenden Blättern und einer ersten rosa Blüte. Auch schon zu erkennen: Blätter von Bergflockenblume und Akelei. Und der erste Schmetterling!

Am nächsten Tag segeln bereits zwei Kleine Füchse über meine Streuobstwiese. Es ist der 16. März und die Temperaturen steigen hier in den mittleren Westerwald-
Lagen bei 350 m Höhe auf schon +20° Celsius. Gegenüber dem Zeitpunkt vor nur fünfeinhalb Wochen ist das ein unfassbarer Unterschied von 36° (allerdings beim Vergleich der nächtlichen Tiefst- und der Tageshöchsttemperatur)!

Die Gartenarbeit kann anfangen. Die abgestorbenen Stauden des letzten Jahres beseitigen (mein Gartenkonzept – nicht “ausräumen” im Herbst). Jede Menge Marienkäfer kommen zum Vorschein. Wahnsinn, wie die -16° Celsius überstanden haben. Eine Florfliege wird aufgescheucht.

Nach dem Durchzug einer kurzen Störung wird es sehr sonnig und frühlingshaft. Bereits am 22. März an den Lungenblumen die erste Biene, die ersten Hummeln. Die ersten Narzissen erblühen.

Später sehe ich, dass der scharfe Frost Anfang Februar die Narzissen etwas beeinträchtigt hat. Es erscheinen weniger Blüten als sonst, und die Osterglocken wachsen auch etwas kürzer als gewöhnlich. Viele Blattspitzen sind welk. Sogar die Christrosen sind fast gänzlich erfroren, was ich noch nie erlebt habe. Unten auf den Feldern haben einige Winterweizen-Sorten Probleme aufzugehen. –

Die Singvogelwelt ist in diesen Tagen natürlich auch schon sehr aktiv. An einem frühen Abend – es ist noch recht hell – beobachte ich zwei Blaumeisen, wie sie auf der Suche nach Fressbarem akribisch das dichte Gestrüpp der Strauch- und Wildrosen in meinem Garten durchforsten. Gibt es denn da schon Insekten? Und tatsächlich, aber nur bei sehr genauem Hinsehen, entdecke ich die erste Blattlaus sowie ein paar feine Spinnweben. Eine Mücke hat darin schon einen traurigen Tod gefunden...

Ich gehöre zwar zu den “Klima-Skeptikern”, aber wenn im Monat März bereits abends gegrillt wird – unverkennbar am von der Nachbarschaft bis in mein Haus hereindringenden Brandgeruch zu erkennen – dann war so etwas früher unvorstellbar. Wir schreiben den 24. März! Hat neben Klimawandel wohl auch mit dem geänderten “Lifestyle” zu tun. Wahrscheinlich hängen beide Phänomene auch zusammen.

In der letzten Märzwoche zunächst weiterhin makelloses Hochdruckwetter. – Unten am Weg an der Streuobstwiese Schmetterlinge an einem der Apfelbäume. Der (seltene) Große Fuchs! Zwei Exemplare. Wenn man die Rinde des Baumes anfasst, ist sie auf der windgeschützten Sonnenseite (es herrscht ein leichter Nordostwind) schon richtig warm.

traubenhyazinthen

Unterdessen sieht man auf dem Satellitenfilm, den ich mir jetzt über Wetter Online gönne, schon, wie von Skandinavien mit großer Wucht, regelrecht dramatisch und von keiner Macht auf der Erde aufzuhalten, ein gigantisches Kaltluft-
gebiet nach Mitteleuropa hereinströmt – obwohl es lokal selbst in Oslo noch unglaubliche +15° Celsius sind. Dennoch wird sich das Wetter bei uns umstellen. Und das tut es. Polarluft!

Wieder Zeichen... Die tote Maus auf meinem Weg. Kurz später der zertrümmerte Seitenspiegel. Don’t look back?

Bald reißt der Himmel wieder auf.

1. April, nach leichtem Nachtfrost ein kalter, sonniger Tag. Morgens im Hof am Suchen und Picken: Hausrotschwanz, Hänfling, Haussperling, Bachstelze. Na, das ist doch was für einen Blick aus dem Fenster?

In der Folge haben wir typisches Aprilwetter.

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Der 3. April, abends, unten am Feld. Es ist mild, aber die Kühle des Abends fängt an aufzuziehen. Der Beginn der blauen Stunde. Ich blicke zum Himmel und sehe ein von Kondensstreifen gebildetes Kreuz. Ein doppeltes Kreuz. Genau in der Mitte über dem Schnittpunkt der oberen Balken hängt der Mond. Alles, die ganze Welt, ist ganz klar und präsent. Ich fühle, wie ich auf dem Erdball stehe.

In der Nacht fällt von Süden her ein leichter, gleichmäßiger und warmer Regen.

Am nächsten Morgen ein wirklich seltenes Bild: ein ganzer Schwarm Distelfinken beim Nachbarn in den Büschen. Ist es die Familie, die ich bereits letztes Jahr schon beobachtet habe? Nun sind alle Vögel ausgewachsen und haben das rote Band über dem Gesicht und den gelben Streif am Flügel, was ihnen dieses für unsere Breiten doch sehr exotische Aussehen gibt. Es sind circa 5 - 7 Exemplare. Es ist etwas schwer, genauer zu sagen, weil die Tiere ständig in Bewegung sind und sich scheinbar auch zwei Spatzen unter den Trupp gemischt haben. Da kreuzt unten ein gefährlicher Feind, die schwarz-weiße Katze, und im Nu ist das Stelldichein im Vorgarten aufgelöst. – Später sehe ich die Distelfinken wieder in meinem Garten.

Überhaupt scheint diese Gegend den Distelfinken sehr zu liegen. Morgens im Nachbarort fliegt ein großer Schwarm am Straßenrand auf.

Am Karfreitag blicke ich morgens aus dem Fenster vom Arbeitszimmer auf den Hof. Bei den Körnern, die ich dorthin gestreut habe (es ist sehr kalt und ich will den Singvögeln ein bisschen was Gutes tun) hält ein Hausrotschwanz-Männchen seine Balz. Es hat die Schwanzfedern gestreckt und zeigt einem Weibchen auf dem Dachfirst des Nachbarhauses stolz deren leuchtend-rote Färbung – und das schöne Futter, das es gefunden hat! Das wäre doch ein gutes Männchen für so ein Hausrotschwanz-Weibchen. Prächtige Schwanzfedern und findig, was das Futter betrifft! Als ein paar Spatzen kommen, macht es sich trotzdem aus dem Staub...

Ostern ist es eher winterlich, zunächst sehr hell, dann am Ostermontag morgen Schneeschauer, die später in Regen übergehen. Auf dem Satellitenfilm erblicke ich erschütternde, riesige Wolkenmassen...

Mitte April. Kalt. Nach wie vor lenkt ein gigantischer Tiefdruckwirbel mit Zentrum über Nordwestengland polare, meist mit Schauern durchsetzte Luftmassen nach West- und Mitteleuropa. An vielen Tagen sieht man eindrucksvolle Wolkengebilde ziehen.

Und vor allem gegen Abend spielen sich am Himmel dramatische Lichterscheinungen ab. Am 18. April ein voller Regenbogen mit einem angedeuteten zweiten darüber. Horizontal einfallende Sonnenstrahlen, die mit Blüten und frischem Laub eingedeckten Bäume und Sträucher unten am Weg vor dunklem Wolkenhintergrund in nicht zu überbietender Weise aufleuchten lassen. Man fühlt sich wie in einem Märchenland.

Am 19. April abends nie gesehene, großflächige, sanft verlaufende aquarellartige Farbverläufe zwischen orange, graublau und aubergine auf nassem dreidimensionalem Himmelspapier.

In diesen Tagen fallen Entscheidungen mit weitreichenden Folgen...

Am 28. April plötzlich ein sommerlicher Tag. Blauer Himmel, alles strahlt, alles blüht. Man fühlt sich wie in eine andere Welt hineinkatapultiert. Und ganz pünktlich sind da auch: die Schwalben!

Es folgt eine Sommernacht mit warmem Wind, voller Träume, Nachrichten und einem Geständnis. Der Mond
und die Sterne stehen leuchtend und klar am Himmel. Selten waren die Sterne so viele und so verteilt wie heute nacht.

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Der feine Nieselregen hinterlässt optimale Bedingungen zum Fotografieren. Die Blätter
der Schneeglöckchen haben eine sehr hohe Oberflächenspannung.

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Die ersten Narzissen.

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Hat überwintert: Kleiner Fuchs.

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Die Türkentauben - wie immer zu zweit.

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Die wilden Tulpen öffnen nur bei Sonnenschein ihre Blüten.

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28. April: die Schwalben sind da!

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Am Himmel ist in diesen Tagen überhaupt viel viel los, hier am Abend des 29. April.

 

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