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Ernest Hemingway
Wem die Stunde schlägt
mit Ergänzungen von Gustav Regler und Julian Gorkin

Ernest Hemingway: Wem die Stunde schlägt
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Ernest Hemingway:
Wem die Stunde schlägt


Hier bin ich sozusagen in meiner ersten angloamerikanischen Phase, vor John Updike und Thomas Pynchon. Ich las die klassischen Autoren. Graham Greene, Joseph Conrad, John Steinbeck, Katherine Mansfield, auch Eugene O’Neill – und natürlich Ernest Hemingway. “Wem die Stunde schlägt” und “In einem andern Land” hatten schon meine Eltern im Bücherschrank stehen. Auch “Fiesta” las ich Ende der 80er, fand es aber nicht sehr ansprechend.

Aber „Wem die Stunde schlägt”, das Epos über den Spanischen Bürgerkrieg, hat so großen Eindruck bei mir hinterlassen, dass ich dieses Werk bis heute ganz nah an meinem Herzen trage.

Die Verfilmung aus dem Jahre 1943 mit Gary Cooper als Robert Jordan und einer grandiosen Ingrid Bergmann als das Mädchen Maria finde ich überaus gelungen – so sehr wie die Verfilmung eines solchen Stoffes gelingen kann.

“Wem die Stunde schlägt” ist natürlich eine Erzählung mit Helden, Feinden, Liebe, Freundschaft, Selbstaufopferung, Tod und eindeutigen Identifikationsangeboten.

Wie es im spanischen Bürgerkrieg wirklich bei den Internationalen Brigaden zuging, welches unvorstellbare Chaos herrschte, wie Menschenleben von unfähigen Militärführern auf unverzeihliche Art verschwendet wurden, wie Stalin durch seine Kommissare mitten in Spanien politische Gegner verfolgen und ermorden ließ, das alles zeigt der autobiographische Roman „Das große Beispiel” des damaligen deutschen Komintern-Kommissars Gustav Regler, den ich im Jahrgang 1976 der „schönsten Bücher” vorstelle. Eine Ergänzung dazu ist der Bericht „Stalins langer Arm” verfasst von Julian Gorkin, hochrangiges Mitglieds der damaligen linkssozialistischen POUM. Diese beiden Titel sind eine unabdingbare, aber auch schwer erschütternde Ergänzung zu Hemingways großem und bestem Werk.

Hemingway hat seinem Roman in genialer Weise ein Zitat des wundervollen englischen Dichters John Donne (1572–1631) vorangestellt und dessen Zeilen auch den Namen seines Buches entlehnt (Iland in Frühneuenglisch tatsächlich ohne „s”; Formatierung und Auszeichnung wie in der Fischer-Ausgabe):

No man is an Iland, intire of it selfe; every man
is a peece of the Continent, a part of the maine; if a
Clod bee washed away by the Sea, Europe is the lesse,
as well as if a Promontorie were, as well as if a Mannor
of thy friends or of thine owne were; any mans
death diminishes me, because I am in-
volved in Mankinde; and therefore
never send to know for
whom the bell tolls;
it tolls for thee.

Ah, diese Worte, dieser Klang! Geht das nicht unter die Haut?

Peter Eisenburger, 2018/2021.

Wem die Stunde schlägt

Abgebildete Ausgaben:

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1986. 455 Seiten. Aus dem Amerikanischen von Paul Baudisch.

Deutsche Erstausgabe: Bermann-Fischer Verlag, Stockholm 1941.  561 S. Ins Deutsche übertragen von Paul Baudisch.

Erste deutsche Buchclub-Ausgabe: Bertelsmann-Lesering, Gütersloh 1.– 420. Tausend 1955. 544 S.

Erstausgabe: For Whom the Bell Tolls. Charles Scribner’s Sons, New York 1940.

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gorkin

Gustav Regler: Das große Beispiel. Roman einer internationalen Brigade. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main 1976.

Erstausgabe: The Great Crusade. Longmans, Green and Co., New York / Toronto 1940.

Julián Gorkin: Stalins langer Arm. Die Vernichtung der freiheitlichen Linken im spanischen Bürgerkrieg. Aus dem Französischen von Heinz Abosch. Kiepenheuer & Witsch, Kön 1980.

Erstausgabe: Les communistes contre la révolution espagnole. Belfond, Paris 1978.

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Hochgeladen am 17. Mai 2021.

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