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Fritz B. Busch:
Bob und seine Autos:

Fritz B. Busch: Bob und seine Autos

Fritz B. Busch: Bob und seine Autos

Auch dieses Buch wartete fast ein halbes Jahrhundert in tiefsten Erinnerungsschichten, war aber nie völlig weg. Und wie bei Kim war es die Titelillustration, die wahrscheinlich zum größten Teil dafür verantwortlich war. Das mediterrane Flair des Hintergrundes und der rote Sportwagen mit der riesigen Motorhaube – das musste es einem Jungen einfach antun.

Eine weitere Gemeinsamkeit mit „Kim und seine Rivalen” war der angloamerikanische Touch des Namens „Bob”. So war es Mitte der 60er üblich, um dem Buch etwas Modernes, Fortschrittliches zu verleihen und damit mehr Käufer zu verschaffen. Dass „Bob” der zweite Vorname des Verfassers Fritz B[ob] Busch war, wusste man als Leser nicht. „Fritz” wollte der Verlag überhaupt nicht auf dem Umschlag haben – zu deutsch, zu altbacken. Und Busch (1922–2010) war übrigens der profilierteste deutsche Motorjournalist der 60er Jahre.

Das Buch handelte also von Bobs Autos (weiterhin ging um Motorräder und eine schwarzhaarige Susanne) – das war irgendwie schon interessant, vor allem, wenn es solche Schlitten waren wie der „Straßenkreuzer” auf dem Bild. Und tatsächlich ist Technik für mich bis heute faszinierend. Der Flughafen, wo ich regelmäßig hinfahre und über ein Jahr auch gearbeitet habe, ist immer noch etwas wie Science Fiction für mich. Wenn ich dort unten bin, schaue ich wie zu Kinderzeiten jedem Flugzeug nach – begeistert und ungläubig, dass es abhebt und fliegt und aus irgendeinem Grund, den sehr schlaue Männer herausgefunden haben, trotz des gigantischen Gewichts nicht herunterfällt. Genau wie es in höchstem Maße erstaunlich ist, dass Schiffe aus Eisen nicht im Meer versinken.

Technik wirklich zu verstehen, war offenbar etwas anderes als sie zu bewundern. In der Schule lernte ich mit den Hauptfächern (heute „Leistungskurse”) Mathematik und Physik so einiges, aber je tiefer die Lehrer in die Materie eindringen wollten, desto befremdlicher wurde alles für mich und desto schlechter wurden meine Noten. Ich merkte, dass ich so nicht denken konnte.

Ein Lehrer – meine Mitschüler wissen alle noch, welcher – war durch Einschüchterung und Druck dafür verantwortlich gewesen, dass ich wie auch die meisten Klassenkameraden in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Zeig der Oberstufe ging, anstatt in den neusprachlichen, also neben den drei an meiner Schule obligatorischen Hauptfächern Deutsch, Englisch und Mathematik als viertes Hauptfach Physik wählte statt Französisch, was mir eigentlich mehr lag. (Und es war nicht nur das. In die Französisch-Klassen gingen fast alle hübschen und aufregenden Mädchen...)

Mathematik war schon schlimm genug, aber es war vor allem Physik, das mir in der Oberstufe völlig unbegreiflich wurde, dessen Darbietung im Unterricht allerdings auch höchst anspruchsvoll war und in der Oberprima bereits auf Universitätsniveau erreichte.

Bis heute bin ich nicht hinter die Geheimnisse dieses Faches gekommen – im Gegenteil, was ich in der Mittelstufe noch gut bis befriedigend und in der Oberstufe in geringen Ansätzen gelernt hatte, verfiel über die Jahrzehnte praktisch komplett. Vor einigen Jahren wollte mir ein Professor an der Fachhochschule Wiesbaden die Grundregeln der Triangulation erklären (wohl eher typischer Stoff der Mittelstufe), machte dazu ein paar Handbewegungen über dem Tisch, um die aus seiner Sicht simplen Grundprinzipien zu veranschaulichen. Beim zweiten Satz unterbrach ich ihn. „Bitte geben Sie sich keine Mühe. Ich versteh’s nicht.” Ähnlich geht es mir, wenn mir mein HiFi-Händler mit Begriffen aus der Elektrotechnik besonders gut gelungene Tonabnehmer erklären will.

Die falsche Richtungsentscheidung am Ende der Untersekunda mit dem Ziel, aus mir einen Naturwissenschaftler oder Ingenieur zu machen, stellte sich für mich als eine Katastrophe heraus, deren Folgen ich nie mehr ganz entgehen konnte. Wie anders wäre vieles mit Französisch geworden. Die Sprache „meines” geliebten Landes, in dem auch „meine” Hauptstadt liegt, musste ich mir im späteren Leben mühsam aneignen.

Immerhin – um gerecht zu sein – habe ich in einer bestimmten Phase meines Berufsleben, in dem exakte, planvolle Entscheidungen sowie Software eine große Rolle spielen sollten, sehr von der fundierten mathematisch-naturwissenschaftlichen Ausbildung profitiert, die ich am Gymnasium Westerburg erhielt.

In meinen beiden anderen Hauptfächern Deutsch und Englisch erbrachte ich gute und sehr gute, teilweise Bestleistungen und bog damit schon in zukünftige berufliche Hauptausrichtungen ein. Alles, was mit Sprachen und Geisteswissenschaften zu tun hatte, interessierte mich am meisten, sowie als einzige für mich sinnvolle und zu meinem Denken und Fühlen passende „exakte” Wissenschaft die Biologie – wegen meiner Liebe zur Natur.

Erst später in meinem Leben entdeckte ich eine musische und künstlerische Ader, die mir in der Schule auf Jahre hinaus gründlich vergällt worden war.

Ich lernte im Kunstunterricht, dass ich nicht malen kann. 15 Jahre später war ich immerhin so gut, dass ich Aquarelle verkaufen konnte.

Den Musikunterricht empfand ich einfach nur als grässlich. Ganz furchtbar war – außer dem Lehrer – die Blockflöte, die wir ständig malträtieren mussten. Wie habe ich dieses Instrument gehasst. Einige Jahre nach der Schule fing ich autodidaktisch mit der Gitarre an. Ich hielt zwar nur einige Jahre durch, wurde auch kein Meister, aber es taten auch niemandem die Ohren weh, wenn ich spielte und sang. Und heute verstehe ich Musik viel besser und genieße sie viel mehr, weil ich einmal selbst einmal ein Instrument gespielt habe.

Von der Geschichte, die „Bob und seine Autos” erzählt, weiß ich nichts mehr. Sie war auch nur begrenzt interessant. Es handelt sich wohl um autobiographische Erinnerungen vom Autor Busch. Als ich das Buch nach einem halben Jahrhundert wieder in Händen hielt, fand ich aber sofort das Grafik Design ansprechend, also die Illustrationen, im typischen Stil der 50er und frühen 60er geschaffen von Ulrik Schramm, einem der beliebtesten und besten Buchkünstler der damaligen Zeit. Die Arbeiten waren absolut professionell und vermieden jegliches Süßliches oder gezwungen Kindhaftes.

Peter Eisenburger, 1. Mai 2022.

Fritz B. Busch: Bob und seine Autos. Illustrationen von Ulrik Schramm. Schneider-Buch 3633. Franz Schneider Verlag, München 1965. 128 Seiten. DM 3,80.

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Hochgeladen am 1. Mai 2022.

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