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Marcel Breuer

1921–1962

Marcel Breuer 1921–1962

Marcel Breuer 1921–1962

Ergänzend zu meiner Besprechung vom 4. Juli 2015.

Ich hatte 2015, als ich den oben verlinkten Text für meine Besprechung des Wettbewerbs der schönsten deutschen Bücher schrieb, einen sehr netten und längeren E-Mail-Kontakt mit Robert „Bob” Gatje (1927–2018), dem Partner von Marcel Breuer Associates, der für das Projekt Mundipharma Limburg verantwortlich war.

Bob erzählte mir, wie das damals war. Mortimer „Mort” Sackler, mit seinem Bruder Raymond einer der beiden Inhaber des amerikanischen Pharma-Riesen Purdue, der Muttergesellschaft von Mundipharma, wollte Anfang der 70er für den geplanten Firmensitz in Deutschland eine Fassade haben, wie sie Marcel Breuer für eine Abtei in Minnesota entworfen hatte. Davon war Breuer alles andere als begeistert, warf die Hände in die Luft und versuchte, Mort Sackler davon abzubringen. Eine Fabrik könne nicht so aussehen wie eine Kirche.

Breuer bemerkte aber, dass Mort Sackler und Bob Gatje, beide aus Brooklyn, gut miteinander konnten. Und so rang er sich dazu durch, den Auftrag in der gewünschten Ausführung anzunehmen und sagte: „Okay, Bob, kümmer du dich um den.” (“Bob, you take care of this guy.”)

Ich machte für Bob einige Fotos des Gebäudes, das er lange nicht gesehen hatte. Er freute sich sehr darüber und schenkte mir ein mit einer schönen persönlichen Widmung versehenes Exemplar seiner Biographie von Marcel Breuer.

Wie das Ganze überhaupt anfing, ist eine lustige Geschichte. An einem Sonntag vormittag saß mit dem Breuer-Buch vor einem Café auf dem Alten Markt in Diez. Da kam ein Architektur-Dozent aus dem Café das kleine Treppchen herunter, vor dem mein Lieblingsplatz war, blickte kurz auf meine Lektüre und hatte sofort erkannt, um wen es ging: „Ah, Sie lesen was über Marcel Breuer.” Ich tat so, als hätte ich Ahnung von Architektur, ließ ein paar Begriffe wie „schalungsrauher Sichtbeton” fallen, die ich gerade aufgeschnappt hatte, und sofort entzündete sich eine „Fachsimpelei”. Völlig überraschend eröffnete mir der Dozent: „Es gibt ja auch ein Breuer-Gebäude in Limburg.” – „WAS?” – „Wussten Sie das nicht?”

Ich hatte mir bereits fest vorgenommen, ein Breuer-Projekt zu fotografieren. Es gibt zwar noch eine Villa in Wiesbaden im Ahornweg, aber das Privathaus lässt sich von der Straße aus nicht gut ablichten und ist an sich auch nicht so spektakulär wie das, was mir vorschwebte: Ich wollte nach Paris, wo das bekannte Y-förmige Unesco-Hauptgebäude steht. Nach Limburg war es dann etwas näher, nämlich gleich nebenan. Ich arbeitete zu diesem Zeitpunkt in dieser Stadt an der Lahn, war auch schon mehrmals an dem Gelände vorbeigefahren, hatte aber das in dem hektischen und lauten Gewerbegebiet „Dietkircher Höhe” etwas zurückgesetzte Gebäude einfach nicht gesehen – wohl auch nicht erwartet.

Nachdem ich erfuhr, dass Bob Gatje der eigentliche Projektverantwortliche war und die europäischen Geschäfte von Marcel Breuer Associates von Paris aus leitete, versuchte ich Kontakt zu ihm aufzunehmen und schrieb ihm ein E-Mail. Er wohnte in New York am Central Park, antwortete mir aber sofort sehr freundlich aus dem Urlaub in Südfrankreich.

Das alles sind sehr schöne Erinnerungen aus einem für mich in jeder Hinsicht aufregenden Sommer. Ich hatte auch Glück, Bob überhaupt noch kennenlernen zu können, denn er verstarb drei Jahre später im Alter von 90 Jahren an einem Schlaganfall.

Ich finde noch heute, das Gebäude sieht aus wie Science Fiction, besonders auf dem Foto von 1975, als es als einzige Bebauung „Auf der Heide” stand. Ich besitze auch Reproduktionen von Aufnahmen aus dem Inneren. Da denkt man unwillkürlich, man ist in einem Raumschiff.

Die Bauausführung übernahm Philipp Holzmann, das damals wohl neben Hochtief bedeutendste deutsche Bauunternehmen. Holzmann war in den 90er Jahren einer meiner Kunden, als ich Geschäftsführer einer IT-Gruppe war, die auch als Ausbildungszentrum für CAD-Lösungen fungierte.

Ich erfuhr von Bob viele Hintergrundinformationen über Purdue, Mundipharma und auch Holzmann, deren Veröffentlichung an dieser Stelle aber vielleicht ungeeignet ist.

Mein Beitrag aus dem Jahr 2015 enthält einige Fotos und Abbildungen, die ich aus urheberrechtlichen Gründen hier nicht nochmals abbilden will.

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Hochgeladen am 26. März 2022.

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