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Jonathan Schell
Das Schicksal der Erde

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Jonathan Schell:
Das Schicksal der Erde

Dieses Buch – vom Stil her in typisch amerikanischer Manier wie ein langer Essay geschrieben – bildete das ethisch-moralische Rückgrat meiner Magisterarbeit (heute „master thesis”) zum Thema „Geschichte, Struktur und politisch-militärische Problematik der Atomrüstung in Europa”.

Schell beschreibt genauso nüchtern-sachlich wie eindringlich-appellativ die Situation, in die sich die Menschheit durch die nukleare Rüstung gebracht hat. Zum ersten Mal bedarf das Fortleben der Menschheit einer bewussten Entscheidung unserer Spezies selbst.

Zahlen und Fakten auf der einen Seite und Textpassagen in alttestamentarischer Wucht auf der anderen Seite werden verbunden, um dann wieder in sensibel poetische Sprache zu münden, wie man sie in Deutschland bei solchen Veröffentlichungen nicht findet.

Im Folgenden meine vor 40 Jahren entstandenen Aufzeichnungen.

„E = mc2. Die latente Masse der Energie, die ‚Grundenergie des Universums’, der Mensch benutzt sie, verfügt über sie und glaubt gleichzeitig, noch seine lächerlichen Kriege der Vergangenheit weiterführen zu können.

Das Atomzeitalter hat alles verändert. Zum ersten Mal wird es zum bewußten, uns aufgegebenen Akt, die Zukunft zu sichern, sie ist uns nicht mehr geschenkt.

Kriegsdienst, Wehrdienst? Nach diesem Buch weniger möglich für mich als je zuvor. Wie kann man im Atomzeitalter noch die Waffe in die Hand nehmen und sich an militärischen Ausbildungen (und Aktionen) beteiligen?

Schell: der physische Tod, der uns selbst bedroht, schlimm genug. Weitaus schlimmer wäre der Tod der Gattung (mit dem auch die meisten Tiere und Pflanzen verschwinden würden: ‚Jetzt haben wir diese ganze irdische Schöpfung zur Geisel atomarer Zerstörung gemacht und drohen damit, sie in die leblose Finsternis zurückzuschleudern, aus der sie kam.’). Die Geschichte würde beendet. ‚Mit unserer Liquidierung versänke die Welt in Finsternis, nicht weil das Licht verlöschen würde, sondern weil die Augen, die das Licht zu sehen vermögen, sich schlössen.’

Unser jetziges Leben hat nur Sinn, wenn die Geschichte weitergeführt wird, wen wir unsere Kinder und Kindeskinder beerben mit dem, was wir – und unsere Vorfahren – geschaffen haben. Und wir verbieten den vielen nachfolgenden Generationen, ins Leben zu treten.

Wir verdrängen die Gefahr der atomaren Vernichtung, aber sie hängt wie ein Schatten über uns. Wir werden bzw. bleiben benommen, stumpf, gefühllos, gelähmt, verzweifelt, wenn wir nichts unternehmen.

AN UNS LIEGT ES! Es ist UNSERE Aufgabe.”

Peter Eisenburger, 4. Oktober 1982.

Jonathan Schell: Das Schicksal der Erde. Gefahr und Folgen eines Atomkriegs. Piper Verlag, München und Zürich, 2. Auflage, 30.–50. Tausend 1982. (Erstauflage 1982.) 268 Seiten. DM 19,80.

Es gelang mir über Amazon.com, das vielleicht letzte im Handel befindliche Exemplar der amerikanischen Originalausgabe zu erwerben:

Jonathan Schell: The Fate of the Earth. Alfred A. Knopf, New York 1982. 244 Seiten.

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Hochgeladen am 12. Februar 2022.

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