pe
bibliothek

10
Isabel Allende
Das Geisterhaus

Isabel Allende: Das Geisterhaus

Isabel Allende:
Das Geisterhaus


Zu “Meinen Büchern” gehört auch die lateinamerikanische Belletristik. Welchen Autor kann ich besonders herausstellen? Da ist Gabriel García Márquez, dessen Opus magnum „Hundert Jahre Einsamkeit” mich traf wie ein Donnerschlag, da ist der in Deutschland notorisch unterschätzte (auch weil er nicht links ist) Mario Vargas Llosa, da ist der große Meister Pablo Neruda, mit dessen schwer zugänglichem Gedichteband ich mich abmühte, und da ist die großartige Isabel Allende – und nur ihr „Geisterhaus” kommt für mich in Frage, wenn ich nur ein einziges Buch auswählen dürfte.

Wie habe ich mitgefiebert beim Aufbau des Sozialismus in Chile 1970 bis 1973, wie habe ich gelitten, als die Nachrichten des 11. Septembers 1973 eintrafen. Der mörderische Militärputsch beendete wieder einmal so viele Hoffnungen. Salvador Allende war mein großer Held. Isabel ist seine Nichte und beschreibt in ihrem grandiosen Roman die Entwicklung, die zum 11. September führte.

Heute (2021) sehe ich die Politik von Salvador Allende kritischer. Mit nur einem Drittel der Stimmen einen „friedlichen Übergang in den Sozialismus” herbeiführen zu wollen, kann nicht gelingen. Und die herrschende Klasse „friedlich” zu enteignen, bei gleichzeitiger Verschlechterung der Existenzbedingungen für die große Mehrheit der Bevölkerung, wird immer zu unübersehbaren Schwierigkeiten führen. Nichts rechtfertigt natürlich den brutalen Putsch des Generals Augusto Pinochet und die blutige Mitschuld der USA an der Errichtung einer der grausamsten Diktaturen der jüngeren Geschichte.

Bei einer Autorenlesung in der Ferber’schen Universitätsbuchhandlung in Gießen, es muss ca. 1990 gewesen sein, hat Isabel Allende mein Exemplar signiert. Als ich an ihren Tisch trat, schaute sie mit einem kurzen, aber klaren und intensiven Blick ihrer braunen Augen zu mir auf, ehe sie ihren Namen in mein Buch schrieb. Das war schon Wahnsinn für mich. Die Weltgeschichte einen Augenaufschlag von mir entfernt.

Peter Eisenburger, 2018/2021

Erstausgabe: La casa de los espíritus. Editorial Sudamericana, Buenos Aires 1982.

Deutsche Erstausgabe: Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1984. 443 S. Aus dem Spanischen von Anneliese Botond.

Vorliegende Ausgabe: Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main 1987. 522 S.

linie

Hochgeladen am 11. Juli 2021. Zuletzt aktualisiert am 15. Juli 2021.

linie