Schöne Städte Deutschlands
Schlitz im Vogelsberg
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Landschafts- und Ortscharakter

Schlitz ist ein erstaunliches Städtchen, das einen
noch sehr ruhigen, fast dörflichen Charakter hat. Dicht am dicht stehen an einem Hügel Fachwerkhäuser, mehrere Burgen und Türme. Die Burgen haben oben
in der Altstadt oft eine ganz andere Anmutung als
von unten aus der Ebene.

Sehr empfehlenswert ist es, einen Besuch in Fulda mit einem Abstecher nach Schlitz zu verbinden. Man nimmt die Landesstraße 3143 durch das liebliche Fuldatal und wird eine Landschaft erleben, die in ihrer Schönheit und Abgeschiedenheit ihresgleichen sucht. Kleine, adrette Dörfer wechseln mit Wiesen, Feldern und kleinen Waldstücken, immer am Lauf der Fulda entlang, die sich ruhig dahinschlängelt.

In Schlitz angekommen, kann man den Wagen nach Belieben am Rand der Altstadt abstellen, muss sich nur die Stelle sehr gut merken.

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Die hier vorgestelle Route beginnt in der Straße Hainbuche am nordwestlichen Rand der Altstadt. Man geht an ein paar schönen Fachwerkhäusern vorbei und gelangt zu einem kleinen Park.

Hinter dem Park ist der Südflügel der Vorderburg mit dem Fachwerkaufbau und dahinter der Kirchturm zu sehen. Während wir über das “Kumpftreppchen” und die Hindenburgstraße (so heißt sie hier noch) den Hügel hoch gehen, erscheint mächtig, ja bedrohlich, der Nordflügel der Vorderburg mit dem klobigen Bergfried und der markanten Turmuhr.

Restauration

Wie üblich, haben die Restaurants in den Schlössern und Burgen unter der Woche mittags leider geschlossen. Dann wundert man sich, dass keine Gäste nach Schlitz  kommen. Eine sehr gute Alternative ist das Braustübchen in der Brauhausstraße. Hier gibt es ländliche Spezialitäten und auch eine ausgedehnte Weinkarte. Man kann sehr schön draußen sitzen. 

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Marktplatz

Sehr imposant ist das komplett restaurierte Fachwerkensemble des Marktplatzes und seiner Umgebung, wie in der gesamten Altstadt “in seltener Weise ungestört” (Dehio).

Der Marktbrunnen stammt aus dem 16. Jh., die Skulptur des Hl. Georg allerdings von 1930.

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Das steinsichtige rötliche Haus oben mit der gesunden Kastanie davor ist die Vorderseite der Ottoburg (Baubeginn 15. Jh.). Das Fachwerkhaus unten einer ihrer Flügel. Man sieht dieselbe Kastanie vor dem Gebäude stehen.

Das pittoreske Rathaus oben links (die Adresse “An der Kirche 4” bezeugt die früher geltende Rangordnung) verbindet Marktplatz und Kirchhof.

Die evangelische Stadtkirche (früher St. Margarethe) geht möglicherweise bis in die karolingische Zeit zurück.

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Links und oben das herrliche Pfarrhaus. Der Kirchhof bietet eine Schönheit,
eine Ruhe und eine Beschaulichkeit, wie sie in der heutigen Zeit eigentlich
gar nicht mehr möglich sind.
Der Gedenkstein erinnert an die 1917 stattgefundene 400-Jahr-Feier der Reformation, welche in Schlitz 1546 durchgesetzt wurde. Die Reformation wurde
von den Landesherren genutzt, um die Pfründe der Kirchen und Klöster nun selbst einzuziehen, die Pfarrer selbst einzusetzen und diese sowie den Schulunterricht zu kontrollieren. In der Kirche von Schlitz richteten die neuen Herren sich “emporenartige Herrschaftsstühle” (Dehio) ein.

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Der Bergfried der Hinterburg hat einen
Aufzug. Der Blick von oben ist phantastisch. Man muss aber schwindelfrei sein.

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Die Hinterburg besteht aus dem Bergfried und zwei großen Gebäuden, von denen hier eines zu sehen ist, beide mit Treppenturm.

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Im heutigen Hessen wurde weitgehend die lutherische Reformation eingeführt, andere Gebieten wurden bald kalvinistisch.

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Geschichte

Schlitz stand im Mittelalter in Abhängigkeit von der nur 20 km entfernt liegenden Abtei Fulda. Wie für so viele andere, ergab die Reformation auch für die Herren von Schlitz die Gelegenheit, sich gegenüber ihrer Obrigkeit selbständig zu machen. Aber auch wie viele andere kleine Grundherren, wurden die Grafen von Schlitz 1806 mediatisiert. Hier herrschte seitdem und bis heute Hessen.
Links nochmals der trutzige Turm der Vorderburg, unten die ungleich filigraner wirkende Innenseite des Südflügels. Heute genutzt von einem Hotel.

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Schlitz und seine Burgen. Dabei sollte man nicht vergessen: es waren die armen Einwohner der nur
sehr wenigen Dörfer, aus denen die Herrschaft Schlitz im Mittelalter und der frühen Neuzeit bestand, die diese Burgen (im Bild rechts die Außenseite der Ottoburg) mit schwerster Arbeit erbauen und ihre herrschaftlichen Bewohner unterhalten mussten.

Diese Menschen errichteten, natürlich zur damaligen Zeit unentgeltlich, auch am am höchsten Punkt des Hügels die Kirche.

Literatur:
Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen I.
Deutscher Kunstverlag. München 2008.

Die Fotos entstanden an einem warmen Sommertag Anfang August 2017.
Nikon D700, Nikkor 50/1.4G, 28/1.8G.

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