Herzogtum Nassau

Herzogtum Nassau – Die Klöster und Stifte

Die nassauischen Klöster waren in der Geschichte mit zwei schweren Phasen konfrontiert: der Reformation und der napoleonischen Zeit mit ihren Folgen.

Die nassauischen Fürsten erkannten wie viele andere, etwa auch ihre Standesgenossen in Hessen, die Chancen, die sich durch die Reformation ergaben und nutzten diese gleichermaßen geschickt wie skrupellos zur ”Überführung” der Kirchengüter in die von ihnen als “Summepiscopus” (oberster Bischof) kontrollierten evangelischen Landeskirchen. Theologische Motive mischten sich hier durchaus mit materiellen und finanziellen.

In Nassau-Dillenburg ging die Entwicklung noch weiter, da hier die durch Kalvin und Zwingli beeinflusste “Zweite Reformation” durchgeführt und jegliche “Götzen” aus den Gotteshäusern entfernt wurden.

Allerdings war die Reformation auch ein wichtiger, ja, entscheidender Schritt zur Landesentwicklung und zum Aufbau moderner, neuzeitlicher Staaten. Bislang konnten die Grafschaften nicht zu einheitlichen Verwaltungsdistrikten organisiert werden, da im Leben der Bürger nicht nur der Papst eine bedeutende Rolle spielte, sondern zudem die mächtigen deutschen Kirchenstaaten ihre eigenen Wirkungskreise auch im weltlichen Leben bis in die niedere Gerichtsbarkeit hatten. In den nassauischen Gebieten waren dies Kurtrier, Kurköln und Kurmainz.

Eine Sonderrolle in den nassauischen Regionen spielte Nassau-Hadamar. Seit der Konversion des Fürsten Johann-Ludwig zum Katholizismus im Jahre 1629 zogen die Jesuiten in sein kleines Land und bekehrten die Einwohner wieder zum “einzig wahren Glauben”. Deshalb ist dieses Gebiet, das sich bis in den Hohen Westerwald erstreckte, bis heute eine tief katholische Gegend, ergänzt und noch übertroffen von den ehemaligen kurtrierischen Gebieten (“et Träiertche”) von Salz über Montabaur bis Limburg und Koblenz.

Nachdem Napoleon die preußischen und österreichischen Truppen besiegt hatte, wurde in der Folge des Reichsdeputationshauptschluss 1803 nicht nur eine Neuordnung Deutschlands, sondern auch eine komplette Enteignung der verbliebenen Klöster und Stifte (klosterähnliche Gemeinschaften) durchgeführt – in erster Linie, um die Fürsten östlich des Rheins für den Verlust ihrer Gebiete westlich des Rheins zu entschädigen.

Nassau verlor seinen damals integralen Bestandteil Saarbrücken an Frankreich. Als Ausgleich durfte man (ab 1806 das Herzogtum Nassau) viele kleine Grafschaften wie Westerburg, Sayn und Wied annektieren (“Mediatisierung”) und die Klöster enteignen (“Säkularisation”). Gerade Klöster wie Eberbach haben dadurch schwersten und nachhaltigen Schaden erlitten.

Die Gebäude der Klöster wurden “entrümpelt”, Wertgegenstände verkauft oder in eigenen Besitz gebracht, die Weinberge auf eigene Rechung weitergeführt. Gebäude wurden “auf Abbruch versteigert” oder als Ställe und dergleichen benutzt. Der Frevel ging so weit, dass wertvollste Bücher aus den Klosterbibliotheken dem Altpapier zugeführt wurden.

Die Mönche wurden immerhin auf Lebenszeit mit einer ordentlichen Rente versehen.

Erwähnt werden soll noch die nächste schwere Zeit für die katholische Kirche. Im “Kulturkampf” gegen Bismarck in den 1870er Jahren wurden alle Orden verboten. Die Hälfte der katholischen Bischöfe saß im Gefängnis. Der damalige Limburger Bischof Peter Paul Blum entzog sich seiner Verhaftung durch die Flucht ins Ausland.

Kloster Eberbach

Kloster Eberbach
 

Kloster Gnadenthal

Kloster Gnadenthal
 

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