titel_nasssau
Kloster Marienstatt
Kloster Marienstatt

Geschichte von Kloster Marienstatt

Kloster (eigentlich: Abtei) Marienstatt ist so etwas wie das geistige Zentrum des Katholizismus im Oberwesterwald. Die Strahlkraft auf die Gläubigen vor allem der älteren Generation ist enorm. Allerdings hatte das Kloster wie viele Einrichtungen der katholischen Kirche wechselvolle und schwere Zeiten zu überstehen.

Wie die ganze katholische Geschichte lebt auch Marienstatt von Legenden. Noch in den 1950ern und 1960ern Jahren wurde erzählt, es sei ein mitten im Winter blühender Rosenstrauch gewesen, der den Zisterziensern 1222 die Stelle an der Nister gewiesen habe, wohin sie ihr Kloster verlegen sollten, denn man hatte zunächst einen anderen Standort. Die Legende der Rose machte schon Eindruck, vor allem uns Kindern, denn dann musste ja Gott selbst die Hand im Spiel gehabt haben. Später erfuhr man, dass es “tatsächlich” ein blühender Weißdornstrauch gewesen sein, den die Mutter Gottes dem Mönch im Traum gewiesen habe. Heute weiß man, dass im 13. Jahrhundert sehr warme Temperaturen herrschten und dass an einer Felswand im Winter durchaus noch Wildrosen oder schon Weißdorn blühen kann. –

Die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg überstand man unter großen Schwierigkeiten, um sich danach umso prächtiger zu entwickeln. Der Zisterzienserorden wird als der erste multinationale Konzern beschrieben und auch die Geschäfte der Marienstatter Mönche gingen so gut, dass man eine umfangreiche Bautätigkeit finanzieren konnte.

marienstatt_1
marienstatt marienstatt_5
marienstatt_3

Literatur:
Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz / Saarland.
Deutscher Kunstverlag. München 1984.
Wolf-Heino Struck: Zur Säkularisation im Lande Nassau. In: Jahrbuch für Hessische Landesgeschichte 1963, S. 208-309.
G. Zedler: Die Auflösung der nassauischen Klosterbibliotheken.
In: Nassauische Annalen 1899, S. 206-220.
Jörg Ditscheid: Die Barockisierung der Marienstatter Abteikirche.
In: Wäller Heimat 2010, S. 126-131.
Jörg Ditscheid: Die Kriegerkapelle (Heiligkreuzkapelle) in Marienstatt.
In: Wäller Heimat 2013, S. 103-106.
Jens Friedhoff: Reformation und Gegenreformation. Hachenburg und die Grafschaft Sayn im Zeitalter des konfessionellen Wandels. Schriften des Stadtarchivs Hachenburg. Heft 5. 2017.

Ein schwerer und fast dauerhaft vernichtender Schlag war die auf Napoleon folgende Säkularisation (Enteignung) der Kirchengüter. Die deutschen Fürsten beschlossen auf dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803, sich für ihre Verluste auf dem linken Rheinufer am Kirchengut schadlos zu halten.

Und so war es Graf Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg, der die Abtei schon 1802 in Besitz nahm. Das wertvolle Inventar wurde selbst verwendet oder verkauft, der größte Teil der wertvollen Bücher dem Altpapier zugeführt oder der Verwahrlosung und dem Diebstahl überlassen. Die Mönche selbst erhielten allerdings ansehnliche, lebenslange Renten ausgesetzt. In der Kosterkirche durfte ein Priester weiterhin die Messe für die umliegenden Ortschaften abhalten.

Während der Dauer des Herzogtums Nassau standen die Gebäude jahrzehntelang leer. Pläne für eine gewerbliche Nutzung zerschlugen sich auf. Erst ab den 1860er Jahren wurde das Kloster Schritt für Schritt wieder der Kirche übereignet. Den Kulturkampf mit Bismarck musste man noch überstehen, aber 1888 begann wieder ein dauerhafter, regulärer Betrieb als Kloster.

Diese Kämpfe, bei denen es darum ging, den Einfluss der katholischen Kirche zu brechen, sind vielen Menschen heute nur noch schwer vorstellbar. “Macht” der Kirche? Im Gotteshaus sieht man ein oder zwei Besucher, aber an den Tischen des Gasthauses ganze Busladungen voll von Touristen, die allenfalls noch in einer Schnellführung den Klostergarten besichtigt haben, aber an geistigen Dienstleistungen der Mönchen so gar keinen Bedarf mehr verspüren.

Die Gebäude und das Gelände

Bei der Abtei Marienstatt handelt sich um einen mächtigen Gebäudekomplex, dessen ganze Ausmaße der Besucher gar nicht erahnen wird, wenn er das Gelände am Biergarten vorbei betritt. Mehrere Gebäude, wie etwa die Annakapelle, sind der Öffentlichkeit auch nicht zugänglich.

Zudem befinden sich einige Teile wie der Neubau des Gymnasiums, der Pfarrsaal, der Landwirtschaftshof und der Große Kreuzweg außerhalb des Hauptgeländes.

marienstatt_8
marienstatt_12
marienstatt_37a
marienstatt_banner_1

Der Klostergarten: eine vorbildlich und aufwendig sanierte Anlage

Der weitläufige Klostergarten der Abtei Marienstatt ist von erlesener Schönheit. Die Anlagen wurden 2011–2012 aufwendig saniert. Formen, Farben und Gerüche der verschiedenen Pflanzen wurden genau aufeinander abgestimmt und nicht nur die zahlreichen Schmetterlinge applaudieren dem Pflanzplan. Der Kräutergarten, der im vorderen Teil um das irische Kreuz angelegt wurde, beherbergt 340 Kräuterarten.

Die Ruhe, die im Klostergarten Marienstatt herrscht, lässt alles wieder wahrnehmen: das Summen der Insekten, das Zwitschern der Vögel, der Wind in den nahen Bäumen und das Plätschern der Nister – wenn nicht gerade lärmende Besuchergruppen, kreischend laute Rasenmäher oder nebenan Busse mit dröhnenden Motoren empfindlich stören.

marienstatt_61
marienstatt_16
marienstatt_11 marienstatt_14a
marienstatt_13
marienstatt_22a
marienstatt_17 marienstatt_19 marienstatt_20a

Park, Kleiner Kreuzweg und Mönchsfriedhof

Zwischen Klostergarten und Park liegt der Mönchsfriedhof, auf dem allerdings nur Gräber seit der Neubesiedlung vorhanden sind. Bekannte Oberwesterwälder Namen wie Wisser und Benner lassen darauf schließen, dass sich die Marienstatter Niederlassung der Zisterzienser zu einem guten Teil aus der Region rekrutiert.

An Klostergarten und Friedhof grenzt ein kleiner Park mit einem schönen, gepflegten Baumbestand. Jedoch sollte man hier nicht nur herumspazieren oder sich auf die Wiese setzen, sondern die Stationen des Kleinen Kreuzwegs betrachten (es gibt auch einen Großen Kreuzweg; siehe unten) – damit man wenigstens weiß, wo man hier ist.

marienstatt_24a
marienstatt_26 marienstatt_27
linie_5

Die Basilika: einer der ersten rechtsrheinischen gotischen Kirchen

Die Basilika (gemeinhin Klosterkirche genannt) entstand etwa zwischen 1243 und 1420. Sie gilt als eine der ersten rechtsrheinischen gotischen Kirchen, die gegenüber den romanischen Bauten filigraner, aufwendiger, verzierter und deshalb auch wesentlich teurer waren. Typische Merkmale sind z. B. die unten auf dem Bild gut zu erkennenden außenliegenden Strebebögen.

Die Kirche wurde, vor allem in der Austattung mehrfach grundlegend verändert. Es gab eine Barockisierung und wiederum eine Aufhebung der Barockisierung. Die Veränderungen dauerten bis in die jüngste Zeit an. So wurde die “Gnadenkapelle” mit der seit 1420 im Kloster befindlichen Pietá (Schmerzensmutter) – zu sehen im Bild unten rechts – erst 1947 gebaut. Die Glasfenster des Künstlers Wilhelm Buschulte stammen aus dem Jahre 2005.

Ein einmaliges Dokument ist das Gemälde aus dem Jahre 1818, das die damalige barocke Ausstattung der Kirche zeigt.

marienstatt_62
marienstatt_33
marienstatt_34
marienstatt_28
marienstatt_1818

Die Klosterkirche noch in der Barockausstattung auf einem Gemälde von
J. A. Zeppenfeld (1818).
Quelle: 100 Jahre Wiederbesiedlung Marienstatt. Buch- und Kunstverlag Abtei Marienstatt 1988.

marienstatt_36 marienstatt_51
linie_5

Von der Kriegerkapelle 1935/36 zur Friedenskapelle 1998

Am Eingang zum Klostergelände steht ein kleiner sechseckiger Bau, an dem die meisten Besucher achtlos vorbei gehen. Diese Kapelle wurde 1935/36 in Eigenleistung von Angehörigen der Kirchengemeinde errichtet und in Erinnerung an den Ersten Weltkrieg “Kriegerkapelle” genannt.

1998 wurde das Gebäude restauriert und den ursprünglich steinsichtigen Mauern ein weißer Putz verpasst, wie bei Sakralbauten jetzt üblich. Die erneuerte Kapelle (jetzt “Friedenskapelle”) erfreute sich großer Beliebtheit bei der Pfarrjugend. Eine Zeit lang fanden hier monatliche Taizé-Gebete statt. Das Interesse scheint auch noch nicht wieder eingeschlafen zu sein, wie der geschmückte Altar beweist.

Der weiße Putz macht die Kapelle gegenüber der aus Schiefersteinen gemauerten ursprünglichen Fassade unscheinbarer. Dazu trägt auch die Bepflanzung dieser Stelle bei, die das kleine Gebäude eher zurücktreten lässt als es zu betonen.

marienstatt_39 marienstatt_40
marienstatt_41 marienstatt_44 marienstatt_43

Sta. Barbara

St. Sebastian

St. Mauritius

linie_5

Das Private Gymnasium Marienstatt

Das Gymnasium Marienstatt hatte bei uns Schülern von den anderen Gymnasien einen strengen, aber auch etwas geheimnisvollen Ruf. Im Internat unter der Aufsicht von Zisterziensern – wer würde sich sowas schon freiwillig antun? Vielleicht der  Priesternachwuchs, den es ja geben musste.

Heute befindet sich das Private Gymnasium zwar noch in der Trägerschaft der Zisterzienser, ist aber eine offene, weltliche Schule. Auch unter den Lehrern gibt es kaum noch Geistliche. Viele Schüler fahren täglich mit dem Bus und wohnen nicht mehr wie früher im Kloster.

Speziell ist immer noch das Profil, das den früheren Humanistisches Gymnasien wenigstens noch ähnelt. So wird fakultativ Altgriechisch noch bis zum Abitur angeboten – wie leider nur noch an wenigen Schulen.

marienstatt_47
marienstatt_49
marienstatt_48a

Etwas Besonderes ist zweifelsohne das verwegen an den Hang gebaute, neue Schulgebäude. Eine bei heutigen Schulbauten überaus seltene Mischung von Modernität und Stil.

Hier ist es einmal gelungen, einen Schulneubau nicht unter der Diktatur von Brandschutz, Wärmedämmung und Sicherheit wie einen Bunker aussehen zu lassen

Der Bau wurde vom Architekturbüro Ingo Schneider, Hachenburg, geplant und 2013 fertiggestellt.

Die älteren Gebäude (siehe oben das Bild neben der Literaturliste – dort im Vordergrund) sind nach wie vor in Benutzung.

linie_5

Umgebung: Nister und Kroppacher Schweiz

Die unmittelbare Umgebung des Klosters Marienstatt, das Nistertal, als auch die Region, die sogenannte “Kroppacher Schweiz”, sind landschaftlich sehr attraktiv und bieten viele Wanderwege. Die Fotos zeigen die Steilwände des Nistertales, das alte Hofgut und ein Getreidefeld oberhalb der Schule.

marienstatt_52
marienstatt_53
marienstatt_60

Die Photos entstanden an einem vormittags schon sehr warm werdenden Tag
Mitte Juli 2018.

Kamera: Nikon D700.
Objektive: 50 mm 1.4 G, 28 mm 1.8 G.

marienstatt_58
marienstatt_59a
 [Home] [Im Herzogtum Nassau] [An der schönen Lahn] [Rheinromantik] [Städte]