Die Metropolen Frankreichs
Paris
Titel Sanary

Was kann man über Paris schreiben und zeigen, das für den Besucher einer Website von Interesse sein könnte?

Zwischen 1993 und 2012 war ich drei Mal in Paris. Dabei habe ich mich von den Touristenattraktionen langsam vorgearbeitet zu den kleinen Straßen, den kleinen Cafés, den unbekannteren Quartiers. Von diesen möchte ich ein paar Eindrücke wiedergeben.

La Place de la République

Wie schon 1993, übernachtete ich auch in 2012 in einem Hotel ganz in der Nähe der Place de la République. Das hat zunächst den Vorteil, dass man vom Gare de l’Est (Ankunftsbahnhof aus Hessen) sehr schnell mit der Metro an diesen Platz angelangt ist.

Die Place de la République wird bis 2013 sehr aufwendig umgebaut und wird danach in neuem Glanz erstrahlen. Jetzt war es leider so, dass um 6 Uhr der Baulärm anfing.

Am Platz selbst und in den großen Avenues, die sich an diesem treffen, wie der Boulevard du Temple, wo ich nach Ankunft meine erste Coupe zu mir nahm, herrscht ohrenbetäubender Lärm. Alles, auch die vielen Fußgänger, ist ständig in Bewegung. Die eleganten Damen tragen ihre ergatterte Mode nach Hause. Auffällig auch die sehr, sehr vielen jungen Menschen. (Die demographischen Unter-
schiede zum überalternden Deutschland sind bekannt. Hier im Stadtbild sieht man es auf frappierende Weise.)

Ein bisschen Schauen und Staunen. Und sich ein bisschen zu den ganz einfachen Leuten an einen Straßenkiosk setzen. 

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Quartier du Temple

Direkt südwestlich schließt sich das Quartier du Temple an. Geht man dort hinein, ist man richtig in Paris. Man sitzt in den Bistros, wo die Franzosen hingehen und wird nur vereinzelt Touristen treffen. Es ist so viel ruhiger hier, fast schon still, aber nicht ausgestorben, sondern es herrscht eine Lebendigkeit von ortsansässigen, freundlichen, gelassenen Menschen. In den kleineren Seitenstraßen herrscht kaum Autoverkehr. Es gibt sehr viele Bistros und Cafés, ein buntes Bild von Geschäften (typisch: Blumengeschäfte, Büchereien, Schmuck). Die Preise sind zivil.

Auch hier sehr viele junge Menschen, Oberschüler, Studenten, die in langen Reihen ihre Fahrräder und Mopeds parken.

Ein Café fiel mir auf, das “Merce and the Muse”, zunächst deshalb, weil es hier Kuchen gab. (Franzosen nehmen nachmittags nicht “Kaffee und Kuchen” zu sich. Das ist typique allemand. Man kann aber “Teestuben” finden oder eben solche ausgefallenen Cafés.)
Mit dem “Merce” verwirklichte eine junge Amerikanerin ihren Traum,
in Paris ein Café zu führen.

Frühstück in Paris

Ein Tip: Frühstücken Sie nicht im Hotel! Gehen Sie ein paar Meter hinaus in ein Bistro oder eine sogenannte “Bar”, wie es die richtigen Franzosen machen. Man muss ja nicht gleich an der Bar stehen, wie die “ganz richtigen Franzosen”. Man kann sich auch an einen Tisch setzen.

Es gibt in der Regel drei Varianten von Frühstück. Jedenfalls ist es so in dieser Gegend, und wie alles, was ich schreibe, beruhen die Angaben nur auf persönlicher Erfahrung.

Petit dejeuner ist ein Croissant und ein kleiner Café.

Petit dejeuner francais besteht aus einem Croissant, einem aufgeschnittenen, mit Butter bestrichenen, halben Baguettebrötchen, etwas Konfitüre, einem Kaffeegetränk nach Wahl und einem Glas Orangensaft.

Petit dejeuner complet ist wie das “französische Frühstück”, jedoch gibt es zusätzlich Rührei oder Spiegelei mit Schinken. 

Man bekommt alleine durch dieses “auswärts frühstücken” so viel von der typischen Lebensart der Franzosen mit, man kann so viel Atmosphäre aufnehmen.

Man schnappt Gesprächsfetzen auf, sieht Gäste kommen und gehen, hört einen französischen Radiosender, sieht ein bisschen was vom Straßenleben, wenn man sich empfehlenswerterweise ans Fenster setzt. Die Franzosen und Französinnen, die ganz normalen Einwohner von Paris, die auf die Arbeit gehen, sich noch kurz vors Bistro setzen, eine Zigarette rauchen und einen kleinen Kaffee trinken. Auch eine Art von Frühstück. Dafür hat man ja abends lange und ausgiebig, mit mehreren Gängen, gespeist.

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Mein Lieblings-Frühstücksbistro war das Café La Tour du Temple an der Ecke Rue Dupetit-Thouars gegenüber der Kirche Heilige Elisabeth. Schneller, freundlicher Service. Gute Lage. Ab 7 Uhr geöffnet.

Paris

Der französische Kaffee

Der normale französische Kaffee ist der kleine. Sehr konzentiert. Sehr viel Koffein. Einer dieser petit café nach dem Abendessen und ich kann den Nachtschlaf vergessen.

Der grand café besteht aus mehreren Portionen des kleinen.

Café au lait ist starker Kaffee mit heißer Milch, die in guten Lokalitäten in eigenem Kännchen serviert wird.

Am ehesten dem deutschen Kaffee - und das weiß ich noch nicht lange - entspricht der “cafe allongé”, kurz “allongé” (oder auch “café americain” genannt), also ein “verlängerter” oder “gestreckter” Kaffee. Hierzu werden zwei kleine Kaffees mit heißem Wasser verlängert. Dieser Kaffee ist aber in keiner Weise dünn, sondern immer noch sehr stark. Ich trinke nur noch diesen, seit ich es weiß.

Ein Capuccino gilt in Frankreich scheinbar eher als Dessertspezialität und ist zwar sehr gut, aber auch sehr teuer. Acht Euro sind normal, auch in einem einfachen Bistro.

Essen

Es ist eine Legende, dass das Essen in Paris teuer als in Deutsch-
land und gut ist. Der erste Teil der Aussage hat sich nach der Euro-
Umstellung erledigt, da die deutsche Gastronomie nach oben auf-
geholt hat. Was die Qualität betrifft, haben die den Anstieg der Besuchermassen begleitenden, jetzt überall an den großen Straßen zu findenden Touristenmenüs von französischer Seite aus einiges nach unten “wettgemacht”. Die schlimmsten Exzesse sind unter “formule” zu finden. Was habe ich schon für schreckliche Menüs vorgefunden... Ein ledriges Stück Fleisch mit Pommes. Der Nieder-
gang der französischen Esskultur... so gewollt (?) vom Massentourismus.

Aber - und ich spreche jetzt hier nicht von der haute cuisine - die kleineren Restaurants in den kleineren Straßen haben doch einiges Erfreuliches zu bieten. Wie schön waren z. B. im “Atmosphère” am Canal Saint-Martin die Gazpacho und die Lammrouladen... und das
zu vernünftigen Preisen. (In diesen Lokalitäten braucht man zum Studium der Karten in der Regel Französischkenntnisse, da nur in dieser Sprache angeboten wird.)

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Am Canal St. Martin

Paris hat nicht nur die Seine, sondern auch andere Gewässer wie Kanäle und Bassins. Der Canal Saint-Martin war bei meinem Paris-
Urlaub von 2012 eine Neuentdeckung, obwohl er ganz in der Nähe meines traditionellen Stützpunktes liegt.

Einen schönen Spaziergang kann man vom Gare de l’Est über den Place du 11. Nov. 1918, weiter über den schönen Jardin Villemin am ehemaligen Militärhospital hin zur Biegung des Quai de Valmy machen, wo die Rue des Récollets auf den Kanal stößt. An der Stelle am besten ins “Atmosphère”, draußen hinsetzen und eine der baskischen Spezialitäten bestellen (siehe oben rechts die Hinweis bei “Essen”).

Dann flaniert man ganz gemächlich links oder rechts am Kanal entlang, und zwar südwärts Richtung Place de la Republique und lässt die Eindrücke auf sich wirken. Sehr schön bestimmt auch im Herbst, wenn das Laub gefärbt ist.

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Unterwegs in Paris: Straßen, Metro, Parks

Die großen Avenues und Boulevards... Ohnehin wird man auf seinen Streifzügen immer wieder auf die mehrspurigen Straßen stoßen. Die Szenerie auf und entlang der Bürgersteige ist interessant, aber die Lautstärke des Autoverkehrs ist barbarisch. Wenn man sich die Haupt-Touristenattraktionen antun will (Eiffelturm, Champs-Elysée, Versailles etc.) sollte man unbedingt morgens so früh wie möglich kommen und tunlichst die Wochenenden meiden. Die Touristenmassen sind sonst ganz enorm.

Ganz unvergleichlich ist natürlich die Atmosphäre der “B-Ebene” von Paris: die Metrostationen. Was es hier an Menschen, an Architektur, an Musik gibt... Ganz schnell hat man auch mal einen kleinen Snack und ein Mineralwasser eingekauft. Aufgrund der Preise geht man normalerweise natürlich in ein Monoprix oder ähnliche Supermärkte. Oder eben zum kleinen Laden in den Seitenstraßen.

Etwas ganz Spezielles und für mich von unwiderstehlichem Reiz sind die Seine-Inseln (zweites Panoramabild).

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Paris

Fassaden Architektur in Paris. Ein Thema ohne Ende. Aber wegen der stürzenden Linien nicht ganz einfach zu fotografieren und zu präsentieren (Aufnahmen hier mit 35 mm).

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Kirchen Und zum Schluss noch die Inseln der Ruhe und Einkehr. Hier die Eglise Ste. Elisabeth im Quartier du Temple.

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Die Fotos entstanden im Juli 2012. Kamera: Fujifilm X100. Auf die Previews klicken, um zur Bilderstrecke zu kommen.

Paris

“Il est cinq heures. Paris s’eveille.” Es ist mir gelungen. Und dann Frühstück um 6 Uhr gegenüber Gare de l’Est.

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