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1981. Ein Jahr voller nationaler und internationaler Konflikte und sich zuspitzender Krisen.

In der BRD brachte die „Friedensbewegung” Hunderttausende Menschen auf die Straße, um gegen die Atomrüstung zu demonstrieren. Das brachte die (noch) in der Regierungsverantwortung stehende SPD in Bedrängnis.

In Südhessen nahmen die Attacken der Bürgerbewegung gegen die neue „Startbahn West” des Frankfurter Flughafens an Schärfe zu. Auch hier kamen zu einer der Demonstrationen mehr als 100.000 Menschen.

Beide Konfliktherde trugen erheblich zur Gründung der späteren Partei „Die Grünen” bei.

In Polen gelang es dem Regierungsapparat nach einer längeren Auseinandersetzung, die unabhängige Gewerkschaft Solidarnocs zu verbieten und deren Führer zu verhaften.

Anwar al-Sadat, der ägyptische Präsident, dem den Ausgleich mit Israel gelungen war, wurde von radikalen Islamisten ermordet. Genauso erging es 14 Jahre später dem israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin, der ebenfalls von fundamentalistischen Kräften, diesmal von ultra-orthodoxen Juden, ermordet wurde, weil er Frieden geschlossen hatte.

In den USA trat Ronald Reagan sein Amt an. Dem ehemaligen Schauspieler schlug von seinen politischen Gegnern viel Häme entgegen. Heute gilt Reagan jedoch als einer erfolgreichsten amerikanischen Präsidenten des 20. Jahrhunderts.

Das wichtigste Ereignis in der deutschen Medienwelt war vielleicht, dass die US-Fernsehserie “Dallas” in der ARD anlief. „Dallas” hatte über viele Jahre außerordentlichen Erfolg. Vor allem die Verruchtheit ihres Hauptprotagonisten „J. R. Ewing” sorgte – damals – für neue Maßstäbe.

Die schönsten Bücher der Bundesrepublik Deutschland 1981

Die schönsten Bücher
der Bundesrepublik Deutschland 1981

Das Cover mit dem extrem schlecht lesbaren Titel (roter Text auf blauem Hintergrund = no go) zeigt einen der „Füßler” von Horst Antes. Mit viel Phantasie lässt sich rechts ein Lesepult erkennen, womit ein Bezug zum Thema „Buch” hergestellt wäre.

Die Gestaltung hatte jetzt nicht mehr Philipp Bertheau, sondern Heino Göbel aus Hofheim. Bertheau kommentierte aber nochmals den Wettbewerb des Jahres 1981.

Sonst änderte sich an der Aufmachung des Kataloges nicht viel, nur die seit 1979 für nötig erachteten drei einleitenden Textbeiträge wurden immer länger. Das Verzeichnis der Bücher fing jetzt erst auf Seite 37 an.

Aus dem umfangreichen Vorwort von Heinz Peters (zu seiner Person siehe 1980) ist vor allem folgende Information interessant. Bei den teilnehmenden Einsendern kommt es zu einer ungewöhnlich hohen Fluktuation: „Etwa 80 Teilnehmer aus früheren Jahren (gemeint sind nur Verlage; PE) haben sich am Wettbewerb 1981 nicht beteiligt. Dafür sind gleichviele Verlage erstmals oder wieder in den Wettbewerb eingetreten.” (S. 21) Wie soll da ein kontinuierliches Bild der Entwicklung der Buchkunst wiedergegeben werden? Jedenfalls zeigen die Zahlen, welche geringe Bedeutung der Wettbewerb für die Verlage hatte, vielleicht nicht von Anfang an, aber sicher im Laufe der Jahre angesichts oftmals schwer nachvollziehbarer Auswahlpolitik.

Sodann darf Karl Krolow seine Gedanken zu schönen Büchern mitteilen. Der Chronist gesteht, dass das der erste Beitrag der ganzen Heftreihe in 30 Jahren ist, den er nicht mehr gelesen hat.

Daraufhin kommt nochmal (und letztmalig) Philipp Bertheau zu Wort. Er erläutert das neue Verfahren, das sich die Jury für das Auswahlverfahren ausgedacht hat, in schier endlosen Formulierungen und Absätzen.

Es werden jetzt „Prüflisten” mit sage und schreibe „76 detaillierten Kriterien” (S. 28) verwendet. Alleine auf die Bindung entfallen 22 Kriterien. Die ausgefüllten Listen werden den teilnehmenden Verlagen zurückgeschickt – in der Hoffnung auf Besserung. Als besonderen Service gibt Bertheau an, dass sogar zwei Exemplare der Listen erstellt und versandt werden...

Damit seien aber immer noch nicht alle Überlegungen zu den Exemplaren erfasst (S. 30).

Das alles ist schon kaum noch vermittelbar. Besonders irritierend ist aber die Aussage, ein Gastjuror aus Dänemark habe „die Jury zu allen Aspekten des Wettbewerbes nachhaltig beeinflusst”, „wenn er sich auch nicht bei jedem einzelnen von ihm beanstandeten Buch durchsetzen konnte.” Weiterer Beweise, wie erratisch und kaum nachvollziehbar die internen Entscheidungen der Jury ausfielen, bedarf es wohl nicht mehr. Man erfindet ein ausgeklügeltes Verfahren, für das man mehrere Seiten braucht, um es auch nur in den Grundzügen zu beschreiben – und dann kommt ein eigentlich Außenstehender und wirft fast alles um.

Und was besonders ärgerlich ist: Immer noch ist es der Jury nicht möglich, wie in der Schweiz zu den Büchern ein kurzes, schriftliches, zusammenfassendes Votum zu formulieren – nicht mal für die 48 Preisträger. So viele berücksichtigte Faktoren ließen sich eben nicht zusammenfassen, so der Sprecher der Jury (S. 30-31). Andere, und zwar auf dem neben den USA wahrscheinlich fortschrittlichsten Buchmarkt der Welt, nämlich gerade der viersprachigen Schweiz, können es aber seit Jahrzehnten. Und von den Spitzenvertretern der bundesdeutschen Branchenverbände des Buches, der schriftlich gefassten Sprache, in einem Land mit einer hochentwickelten Kultur müsste man ein bis zwei Sätze für jeden ausgezeichneten Buchtitel erwarten können.

Die 48 Preisträger wurden aus 459 eingesandten Titeln ausgewählt. Somit gab es insgesamt bei der Anzahl der eingereichten Bücher in den letzten Jahren nur geringe Schwankungen. Negativ ausgedrückt: im Vergleich zum seit den 70er Jahren noch gewaltig angewachsenen Buchmarkt der BRD repräsentierten die die vorgelegten Titel einen immer kleineren, ja winzigen Prozentsatz. Mit anderen Worten: Stillstand.

Gewisse Exzesse gehörten aber offenbar der Vergangenheit an. Vor allem die jahrelang (Beispiele: 1975 und 1976) praktizierte starke Berücksichtigung von teilweise gar nicht in den Handel kommenden Kleinst- und Mini-Auflagen exotischer Verlage und „Pressen” lässt sich 1981 nicht mehr finden. Die kleinste ausgezeichnete Auflage beläuft sich immerhin auf 750.

Dafür ist – ebenfalls fragwürdig genug – der Durchschnittspreis der prämiierten Titel auf beachtliche 115,91 DM gestiegen – und dies trotz Berücksichtigung vieler Taschenbücher, vor allem aus dem Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Einiges zu thematischen Schwerpunkten, die Hinweise auf zeittypische Trends geben:

Schon seit 1978 tauchen bei den Preisträgern immer häufiger Film-Bücher auf. Typisch ist dann ein Titel wie „Die wahre Geschichte des Kinos”.

Immer mehr Bücher widmen sich der Geschichte des jüdischen Lebens in Deutschland. Alleine 1981 wurden zwei dieser Publikationen ausgezeichnet, wobei neben der Qualität des Buches sicher auch die Thematik gewürdigt wurde.

Nachdem die Pornographie-Welle im Wettbewerb Mitte der 70er abgeflaut war, zeigt sich nun ein erneuertes Interesse an Sexualität, wobei jetzt die „Abweichungen” vom heterosexuellen Leitbild der monogamen Ehe und „Spielarten” wie Homosexualität oder SM-Praktiken in den Vordergrund gerückt werden. Gleichzeitig und paradoxerweise ist der Jahrgang 1981 seit langem einer derjenigen, die am zahlreichsten religiöse Bücher beinhalten.

Wie 1980 besprochen, haben jetzt – evtl. aufgrund der geänderten Auswahlpolitik – eher „konventionelle” Titel eine gewisse Konjunktur, z. B. Ausstellungskataloge, die Klassikern wie Goya und Picasso gewidmet sind, oder der unten vorgestellte Reiseführer.

Die Büchergilde kommt mit 4 Preisträgern mal wieder stärker zum Zug. Immer häufiger wurden aber Titel des Rowohlt Verlages berücksichtigt (6 Preisträger – davon 5 aus der Taschenbuch-Sparte, was das Register verschweigt).

Mit großem Bedauern wird weiterhin der unaufhaltsame Siegeszug des Fotosatzes gegenüber dem Bleisatz berichtet (S. 33). Immerhin wird aber eingestanden, dass man mit der neuen Technik viel mehr Schriften zur Verfügung hat. Und wie würde das erst beim Desktop Publishing werden! Und diesem Thema nähert man sich in der Zeitschiene jetzt langsam.

Christa Wolf: Kein Ort. Nirgends. Aufbau Verlag.
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Aufbau Verlag (1979)

Luchterhand Verlag (1979)

Büchergilde Gutenberg (1981)

Christa Wolf: Kein Ort. Nirgends.

Die hier so oft beschriebene Problematik der Prämierung von Lizenz- bzw. Buchclub-Ausgaben lässt sich selten so gut beschreiben wie anhand des Büchleins “Kein Ort. Nirgends” von Christa Wolf (1929–2011).

Die DDR-Autorin hatte ihre Erzählung 1979 im Ostberliner Aufbau-Verlag veröffentlicht, gestaltet vom bekannten DDR-Buchdesigner Heinz Hellmis. Warum der hervorragend gemachte Titel beim DDR-Wettbewerb nicht ausgezeichnet wurde, kann nur aus politischen Gründen geschehen sein. Die fortwährend kritische Haltung der Schriftstellerin gegenüber der SED-Führung war und ist bekannt.

Zeitgleich mit der Erstausgabe für 6,60 M erschien eine Lizenzausgabe bei Luchterhand in Neuwied für 18,00 DM. 1981 folgte eine Buchclub-Ausgabe bei der Büchergilde Gutenberg in Frankfurt zum eher teuren “Gildepreis” von 19,90 DM.

Insgesamt hat die DDR-Ausgabe nicht nur die stimmigste Umschlagillustration, sondern auch die wertigsten Materialien und die schönste Ausstattung. Beide Vorsatzblätter weisen noch einmal schöne Ansichten des Mittelrheins auf. Für die Büchergilde betrieb Juergen Seuss seine übliche Effekthascherei und besorgte auch das von allen drei Bänden schlechteste Schriftbild (natürlich subjektiv empfunden), obwohl Bleisatz gegenüber dem vom Aufbau Verlag gewählten Lichtsatz eingesetzt wurde. Zu der besseren Lesbarkeit trägt auch bei, dass die 12 Punkt einer Garamond bei Seuss fast schon wie Senioren-Schrift wirken, während die von Hellmis gewählten 11 Punkt einer fetten Times mit den eingerückten ersten Zeilen noch angenehm zu lesen sind und für diesen Text genau passen.

Erweitert wurde die Büchergilde-Edition mit einem kurzen Vorwort der Verfasserin und einem zweiten Teil, dieser mit kleinerer Schrift als der erste, einer Uneinheitlichkeit, die dem Gesamteindruck des Buches nicht gut tut. –

Das Werk an sich ist genial und zeigt die Gefühlstiefe und Imaginationskraft von Christa Wolf. Geschildert wird eine fiktive, aber mögliche Begegnung der Karoline von Günderrode mit Heinrich von Kleist bei einer Teegesellschaft am Rhein.

Joschik Kerstin / Peter Sager: Schottland

Joschik Kerstin / Peter Sager: Schottland

Seit den 70er Jahren wurde vor allem bei der gebildeten Jugend eine große Sehnsucht nach dem ursprünglichen, einfachen Leben spürbar, dass man sich von Irland und Schottland erhoffte. Dabei schwang auch viel Verklärung mit.

Ging es angesichts des harten Lebens der Bewohner dieser Landstriche ohnehin um  Realitätsflucht, wirkt Schottland mitsamt seiner Insel-Welt auf vielen Fotos dieses Bandes geradezu trostlos, was nicht unbedingt der Absicht des Fotografen entsprungen zu sein scheint.

Dem angeblichen Vorurteil, dass in Schottland meistens schlechtes Wetter herrscht, wird der Band durchaus gerecht. Nur ab und zu kommt wohl mal die Sonne raus.

Die Bilder wirken nur teilweise inspiriert. Insbesondere stört der unreflektierte und harte Einsatz des Weitwinkelobjektivs bei der Aufsicht auf Straßen, Mauern und Gebäude. Grausam z. B. Nr. 11 und 25.

Und dann richtet Joschik Kerstin seine Kamera gerne eine Stunde vor Sonnenuntergang auf den westlichen Horizont, bei leicht bewölktem Himmel. Als Ergebnis bekommt er einen nur begrenzt romantisch wirkenden, in unnatürlicher Dunkelheit versinkenden Vordergrund. Angaben über die Ausrüstung fehlen vollständig, was bei einem Fotoband immer ein Manko ist, aufgrund der Beschaffenheit der Fotos ist aber von handelsüblichem Kleinbildformat auszugehen.

Am besten ist der Fotograf, der mit keinen weiteren Buchveröffentlichungen mehr hervorgetreten ist, wo er Insel-, Küsten- und Gebirgsstrukturen wiedergibt.

Einem Vergleich mit dem 1980 ausgezeichneten Irland-Band hält dieses Buch nicht stand, schon gar nicht mit dem phänomenalen Land der Gräser aus dem Jahr 1962.

Papier und Bindung sind immerhin gut gemacht, aber gab es 1981 nichts Besseres bei den schönsten Büchern der Bundesrepublik Deutschland?

Preußen. Versuch einer Bilanz.

Preußen. Versuch einer Bilanz.

In den 80ern erfuhr das Thema “Preußen” eine Renaissance durch Historiker und interessierte Öffentlichkeit.

Die gigantische Westberliner Preußen-Ausstellung 1981 war ein Ereignis (“Event” sagte man noch lange nicht), mit dessen Konzeption und Durchführung ganze Heerscharen von Experten betreut waren (ihre Nennung erfordert im Katalog drei Seiten; die der Leihgeber weitere fünf Seiten). Die Ausstellung, die bis heute (2019) die meisten Besucher in dieser Stadt anzog und über die Spiegel, Zeit und Berliner Zeitung, aber am besten der Intendant Ulrich Eckhardt selbst berichtete, hatte nichts anderes verdient als diesen Führer, den man nur als Mammut-Leistung bezeichnen kann.

Den Ausstellungsführer im Taschenbuch-Format herstellen zu lassen, erforderte sicher eine Menge Mut. Die Vorteile, vor allem wenn man gleich fünf Bände wollte, liegen sozusagen „auf der Hand”: Gewicht, Größe, Preis. Die Nachteile sind ebenso klar: Die Abbildungen haben eine Größe, die oft über wenige cm Kantenlänge nicht mehr hinausgeht und deshalb vom reduzierten Informationsgehalt schon fragwürdig wird. Es gibt aber auch viele ganz- und einige doppelseitige Illustrationen. Nicht immer optimal ist die Zordnung der Legenden zu den Bildern, war aber wahrscheinlich bei der kleinen Seitengröße nicht anders zu lösen. Vielen Seiten beinhalten lediglich Kurzbeschreibungen der Exponate.

Insgesamt hat der Rowohlt Taschenbuch Verlag die gestellte Aufgabe mit einer beachtlichen verlegerischen Anstrengung in bewundernswerter Weise gelöst. Das gestrichene, teure und holzfreie Papier lässt die Reproduktionen zumindestens farblich sehr gut zur Geltung kommen. Erhebliche Abstriche muss man leider bei der Schärfe machen.

Die fünf Bände kosteten zusammen nur 45 DM. Ausgezeichnet als einer der schönsten Bücher der BRD wurde der erste Band mit 612 Seiten, der „eigentliche” Ausstellungsführer (die anderen brachten zusätzliche Begleittexte), der 15 DM kostete und in sage und schreibe 80.000 Exemplaren gedruckt wurde.

Interessant zu wissen wäre das Finanzierungsmodell für den Katalog. Dass der Rowohlt Verlag bei einer freien Finanzierung mit diesem Projekt Geld verdient hätte, darf bezweifelt werden.

Werner Schaube: Lebenspuzzle
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Abbildung aus dem besprochenen Band.

Werner Schaube: Lebenspuzzle

Damals schaffte es noch ab und zu mal ein religiöses Buch auf die Auswahlliste. In der Jetzt-Zeit (2019) müsste man sicher lange suchen.

Hier geht es um den Sinn des Lebens, aber nicht wie ein Pfarrer das vortragen würde (oder man es sich von diesem vorstellt), sondern von jemandem, der mitten im Leben steht und die Fragen von (nicht nur) Jugendlichen versteht.

Zum Buch: der Herder Verlag hat ein hochwertiges Paperback mit tollem Papier und guter Bindung produziert. Das Buch wirkt in jeder Hinsicht modern, frisch und abwechslungsreich. Besonders gelungen sind die qualitativ sehr ansprechenden Schwarz-Weiß-Fotos. Auch die Umschlagillustration ist eine Wucht. Ein fragender Blick nach oben. Das Raster. Besser kann man das Thema nicht umsetzen.

Lassen wir die Rezensentin christine94 von Lovely Books zu Wort kommen:

“Dieses Buch entdeckte ich auf meiner Reise in Spanien.

Auf einem Pilgertreffen in Santiago de Compostela, lag dieses Buch auf dem Tisch und es stach gleich aus all den anderen heraus.
 
Als ich es aufschlug und sah, wie schön und liebevoll das Buch gestaltet war, musste ich es sofort haben!

Das Problem: Es stand nicht zum Verkauf. Doch ein anwesender Pfarrer sah, wie begeistert ich von dem Buch war und schenkte es mir.

Auf einer Reise, in der ich nicht viel an Besitz hatte, war dieses Buch ein wunderschönes Geschenk.

Es ist mit Gedichten, Bildern und mit den Themen, die die Jugend besonders beschäftigen, bestückt: Tod, Glaube, Liebe & Wer bin ich?

Dieses Buch ist für Suchende, Glaubende & Verlorengegangene.”

Quelle des Zitats: https://www.lovelybooks.de/autor/Werner-Schaube/Lebenspuzzle-1339875490-w/ 

Reinhardt / Schultz: Gesellschaftsrecht

Reinhardt / Schultz: Gesellschaftsrecht

Der Stoff ist übersichtlich präsentiert und in einem  gut lesbaren, ausgewogenen Layout intelligent erschlossen. Das Buch hat einen haltbaren und griffigen, flexiblen Umschlag,

Aber es ist kaum ersichtlich, was an diesem Buch “schön” ist. Die Umschlagvignette?

Dem Wettbewerb schien mit der 1979 vorgenommenen Umbennung von “die Bücher” in “die schönsten Bücher” etwas die Richtung abhanden gekommen zu sein. Oder war die Konkurrenz so schwach?

Von der praktischen Verwendbarkeit her dient das Buch höchstens dem allerersten Zugriff. Es gibt einen Überblick mit Beispielen, ersetzt aber auf keinen Fall die Kommentare zu den einzelnen Unternehmensformen wie etwa den Lutter/Hommelhoff zum GmbH-Gesetz, das hier gerade mal 25 Seiten einnimmt.

Das scheint auch der Verlag gewusst zu haben, der nur 2000 Exemplare drucken ließ.

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Der Wettbewerb in der DDR

Die schönsten Bücher der DDR 1981

Die schönsten Bücher der DDR 1981

Das Heft erschien letztmals im langweiligen, weichen Leineneinband. Ob in dessen 1982 erfolgender Ablösung aber ästhetische Erwägungen die Hauptrolle spielten oder vielmehr finanzielle, darf wohl hinterfragt werden.

Zum diesjährigen Wettbewerb waren nur 236 Titel (1980: 230, 1979: 257) eingereicht worden. Daraus ausgewählt wurden 44 Preisträger (1980: 41; 1979: 50). Die Gesamtanzahl der 1981 in der DDR aufgelegten Buchtitel wird mit 6180 Titeln angegeben (1980: 6109, 1979: 6009). Man erzielte also eine leichte Steigerung, die aber mit den gigantisch steigenden Buchmarkt der BRD überhaupt nicht mehr vergleichbar war. Siehe dazu die Ausführungen in den Vorjahren.

Das Vorwort ist im Vergleich mit früheren für DDR-Verhältnisse wieder recht knapp und bleibt ohne ideologische Ausflüge sachlich. Die Viersprachigkeit gibt es schon seit 1972 nicht mehr.

Nicht überraschend ist die Feststellung, dass es auf allen Gebieten Fortschritte gegeben habe. Hier und da seien natürlich noch Mängel vorhanden.

Verräterisch, wenn man so will, ist die Formulierung eines „allgemeinen Trends nach materialökonomisch günstiger Ausnutzung der Buchseite bei Wahrung der ästhetischen Qualität” (S. 9, Zeile 3). Das heißt auf Deutsch: weniger Papier verbrauchen. Das macht auch der Auswahlkatalog.

Inhaltlich ist nach wie vor enttäuschend, wie Werke der belletristischen Gegenwartsliteratur behandelt werden. Da Bücher von Autoren von Christa Wolf (siehe oben) keine Chance mehr haben, selbst wenn sie in der DDR verlegt wurden, und wichtige Autoren wie Reiner Kunze ohnehin schon in die BRD übergesiedelt sind oder „ausgebürgert” wurden, bleibt auch nicht viel übrig. Nur noch die je nach Sichtweise wirkliche bzw. angebliche „sozialistische Gegenwartsliteratur” hat dann in linientreuen Schriftstellern wie Erik Neutsch eine Chance („Forster in Paris”).

Statt sich neuer, aufregender und natürlich umstrittener Literatur zu öffnen, um dadurch gesellschaftliche Diskussions- und Weiterentwicklungsprozesse überhaupt erst zu ermöglichen, füllen die DDR-Buchläden ihre Regale mit so altbackenen Büchern wie „Europäische Hieb- und Stichwaffen”, ”Historische Zielscheiben”,  „Bilderbogen und Würfelspiel” oder „Bonbonpapier” – letzteres mit Karikaturen, die hoffentlich nicht alle so erbärmlich spießbürgerlich sind wie die Beispiele in den einschlägigen Antiquariatsportalen. Dies wohlgemerkt einige der ausgezeichneten „schönsten” und das hieß doch irgendwie auch „besten” Bücher, hier als negative Auslese vorgestellt.

Natürlich gab es auch andere Titel. Und das „Das Stundenbuch Ludwigs von Orléans” war sicher eine herausragende buchkünstlerische Leistung, aber bei einem Preis von 2850 M ist nicht klar, für wen das Buch produziert wurde. Der Preis wird etwa zwei Monatsgehältern eines DDR-Industriearbeiters entsprochen haben. Auch heute (2019) wird das Stundenbuch antiquarisch noch im mittleren bis hohen dreistelligen €-Bereich gehandelt.

Der Chronist fand zum ersten Mal nur ein Kinderbuch, was ihm Freude versprach sowie Preis und Mühe wert schien.

Benno Pludra / Siegfried Linke: Wie die Windmühle zu den Wolken flog

Benno Pludra / Siegfried Linke:
Wie die Windmühle zu den Wolken flog


Benno Pludra (1925–2014) war wohl der bekannteste Kinder- und Jugendbuchautor der DDR.

Der hier schon mal erwähnte Illustrator Siegfried Linke (1934–1983) brachte es zwar nicht zu so großer Berühmtheit, von ihm mitgestaltete Bücher wurden aber auch mehrmals ausgezeichnet.

Ähnlich wie 1977 fällt auch diesmal das Urteil des Chronisten aus. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass beim Kinderbuchverlag der DDR Bilderbücher “wie am Fließband” produziert wurden. Und da durfte Siegfried Linke vielleicht auch mal einen Text von Benno Pludra auf Entscheidung “von oben” illustrieren.

Die stark deckend aufgetragene Gouache zeigt zwar hübsche, jahreszeitliche Szenen eines kleinen Dorfes, die Bilder sind aber fast alle trübe und auch erneut unscharf reproduziert. Die Gesichter der Kinder wirken etwas undifferenziert.

Pludra erlaubt sich sprachliche Ungeschicklichkeiten wie “als der Müller noch mit den Säcken lief” (tatsächlich läuft der Esel mit den Säcken).

Das Ende der Geschichte (die Mühle fliegt in den Himmel) ist schwer verständlich. Auch Unsinn muss irgendeinen Sinn machen, auch Magie muss einen Bezug zur Realität haben.

Handwerklich / buchbinderisch gelungen, da konnte man bei diesen Büchern nichts aussetzen.

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Ein Blick nach Österreich

Die schönsten Bücher Österreichs 1981

Die schönsten Bücher Österreichs 1981

In Österreich stieg die Beteiligung am Wettbewerb weiter an. 100 Titel (1980: 90, 1979: 81) waren eingereicht worden. Davon wurden wieder 12 ausgezeichnet.

Das Spektrum der Preisträger wirkt durchaus attraktiv und vielfältig. Neben den obligatorischen Bildbänden, die in Österreich nach wie vor das Gros der prämierten Titel stellen, findet sich auch ein bisschen Belletristik.

Geradezu avantgardistisch für die Verhältnisse der Alpenrepublik ist die Auswahl des nur in 300 Exemplaren gedruckten Buches der japanischen Designerin Eriko Nagai. “Schmuck”, so der Titel, erhielt sogar die Ehrenurkunde des Hauptverbandes des österreichischen Buchhandels.

Menschen am Land. Photographiert von Fritz Macho.

Menschen am Land. Photographiert von Fritz Macho.

Bei einem Preisträger wie diesem fragt man sich, wie genau die Jury bei ihren langen Sitzungen eigentlich hinschaute. Ging es nur um das Papier, nur um den Einband, nur um das Layout (wogegen es auch schon Einwände gäbe)?

Wenn ein Fotoband den Titel “Menschen am Land” trägt, erwartet man zwingend Portraits von Menschen, auch wenn man im Nachhinein bemerkt, wie geschickt die Präposition “am” gewählt wurde.

Tatsächlich sieht man nur auf ungefähr der Hälfte der Fotos Personen, der Rest sind Bergmotive. Da fühlt man sich etwas getäuscht.

Die nur 21 Portraits entstanden in den 30 Jahren in der Umgebung des Ortes Lend im Salzburger Land. Die in ländlicher Umgebung aufgenommenen Menschen – häufig sind es dieselben Personen, die auftauchen – sind aufgrund ihrer Kleidung, ihrer Arbeitsgeräte und ihren teils sichtbaren Berghütten deutlich in die 1930er Jahre zu plazieren.

Die von Fritz Macho (1899–1974) mit einer Plattenkamera aufgenommenen Fotos sind detailstark und gut durchzeichnet. Etwas Besonderes oder überregional Bedeutsames stellen sie nicht dar. Einige der Fotos haben technische Mängel, z. B. abgeschnittene Füße.

Leider verzichten die Herausgeber auf jegliche, und sei es auch nur rudimentäre Beschreibungen der Gegend und der aufgenommenen Personen, zum Beispiel ihren Namen. Das wäre nicht mal 50 Jahre nach den Aufnahmen zwar mit etwas Arbeit verbunden, aber durchaus möglich gewesen und hätte den dokumentarischen Charakter deutlich erhöht. So weiß man nicht, was dieses Buch eigentlich will und es scheint alles etwas zufällig zustande gekommen.

Auch auf dem Markt kam das Buch nicht besonders gut an. Das erkennt man daran, dass viele sehr gut oder neuwertig erhaltene Exemplare antiquarisch für ein paar wenige Euro erhältlich sind.

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...was macht die Schweiz?

Die schönsten Schweizer Bücher 1981

Die schönsten Schweizer Bücher 1981

“Man darf es laut verkünden: Es wird mehr denn je gelesen! Regelmäßiges Bücherlesen fördert das Wissen und vermittelt geistige Bereicherung.”

So beginnt das Vorwort zum Auswahlkatalog 1982 – und so war es einmal vor nur wenigen Jahrzehnten.

224 Bücher waren eingereicht worden, ein nach wie vor niedriger Stand. 39 Titel wurden ausgezeichnet, 28 davon aus der “Deutschschweiz”, 9 aus der französischsprachigen Schweiz und 2 aus dem Tessin.

Mehr als diese Zahlen und ein paar salbungsvolle Worte erfährt man aber auch nicht.

Immerhin: die vorgestellte Auswahl lässt das Herz jeden Buchliebhabers höher schlagen und man möchte am liebsten den ganzen Katalog bestellen. Aber bei näherer Betrachtung ist dann doch nicht alles Gold, was glänzt.

Zudem gibt es anzumerken, dass keine oder kaum Belletristik vorhanden ist.

Zudem fällt über die Jahre hinweg auf, dass immer wieder dieselben Namen auftauchen, wie seit den 70ern Erika Billeter oder seit Beginn der 50er Le Corbusier oder auch Fotografen wie Fernand Rausser. Auch der Jugendstil wird immer wieder durch Grasset vertreten. Beispiele siehe unten.

Bei diesen Wiederholungen macht sich wohl die geringe Größe des Landes bemerkbar.

Hans Girsberger: Im Umgang mit Le Corbusier / Mes contacts avec Le Corbusierorbusier

Hans Girsberger: Im Umgang mit Le Corbusier /
Mes contacts avec Le Corbusier

Bücher über das Schaffen von Le Corbusier wurden regelmäßig im Wettbewerb ausgezeichnet, sind aber meist unerschwinglich.

Diese sehr ordentlich gemachte Englische Broschur ist eine Dokumentation des Kontaktes zwischen dem berühmten Architekten Charles Jeanneret (1887–1965), genannt Le Corbusier, und seinem Schweizer Verleger Hans Girsberger.

Den zweisprachigen Text illustrieren viele Fotos, Briefe und von Le Corbusier angefertigte Zeichnungen.

Einige der Fotos haben sehr hohen dokumentarischen Wert, vor allem eines, auf dem Jeanneret selbst gar nicht zusehen ist, nämlich die Bauhaus-Architekten beim Maskenball. Links der hier schon erwähnte Marcel Breuer als ganz junger Mann.

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Aus urheberrechtlichen Gründen bilde ich das Foto nur im selben Maßstab wie das Buch ab.

Irritierend und ärgerlich ist, dass im deutschen Textteil  französischsprachige Zitate nicht übersetzt sind.

Fernand Rausser: Bern Bummel

1981_bern_kinderFernand Rausser: Bern Bummel

Diese Fotos sind da gut bis teilweise hochklassig, wo sie das zeigen, was der Titel verspricht: einen Bummel durch Bern. Wo man Menschen sieht: Kinder, Passanten, Straßenmusikanten, Liebespaare, oft in sehr schönen Reihen. Hübsch auch die Bilder von Gemüse und Blumen auf dem Markt.

Wenn Fernand Rausser (1926–2016) aber über die Dächer „geht”, leidet die Qualität der Bilder doch arg. Es ist zum Beispiel nicht erfindlich, inwieweit die düster und tief schwarz inszenierten, an Industrieanlagen erinnernden Dächer mit den riesigen Kränen im Morgengrauen typisch für Bern sind.

Überhaupt leiden all zu viele der Höhenaufnahmen unter riesigen, grässlich schwarz überlaufenen Schattenflächen. Flächen mittlerer Tonwerte sind häufig unscharf und schlierig. Da gaben wohl die verwendeten Filme und Teleobjektive des Fotografen nicht mehr her.

Das Layout ist nicht immer glücklich. Einige schon unruhig wirkende Bilder werden durch eine unruhiges Seitengestaltung noch schlechter.

Ärgerlich ist es, dass offenbar Fotos von einem anderen Projekt („Bern von oben herab”), das 1976 ebenfalls ausgezeichnet wurde, hier quasi als Restverwertung aufgenommen wurden. Eine Luftaufnahme ist beim besten Willen kein „Bummel”.

Von Buchbinder und Drucker einwandfrei gemacht, aber nach Meinung des Rezensenten in Sujet und Qualität zu uneinheitlich.

Das Urteil der Jury: „Ein bis ins kleinste Detail durchgestaltetes Fotobuch, dessen hervorragende Druckqualität besticht.”

Jacques Belat: Facons d'autrefois

Jacques Bélat: Façons d'autrefois

Eine hübsche Idee, dieser Bildband mit den “Berufen von ehedem”.

Aber offenbar arbeiten diese Handwerker nur nachts. Wahrscheinlich weil sie tagsüber lukrativeren Beschäftigungen nachgehen. So könnte man es meinen, denn viele Bilder sind unterbelichtet beziehungsweise wurde der Arbeitsplatz zu schlecht ausgeleuchtet. Die Umschlagillustration ist ein typisches Beispiel dafür. Und dadurch wird das Buch leider teilweise verdorben.

Ist es stimmungsvoll (ein Effekt, denn der Fotograf wahrscheinlich erreichen wollte) oder ein handwerklicher Fehler bzw. ein künstlerisches Missverständnis, wenn man von vom Gesicht eines Handwerkers nur die Hälfte des Kinns und einen Teil der Wange sieht, der Rest des Gesichts aber in der Schwärze verborgen bleibt? So ein anderes Beispiel.

Häufig fotografierte Bélat die Handwerker in ihrer Werkstatt gegen ein Fenster oder gegen eine geöffnete Eingangstür, also im Gegenlicht. Das ist nicht besonders geschickt. Dann hätte man wie im Studio mit Beleuchtung arbeiten müssen.

Reizvoll wäre es auch gewesen, von jedem der Handwerker ein frontales Portrait zu machen. Oft sieht man sie nur vornüber gebeugt über ihrem Arbeitsmaterial und ihrem Werkzeug.

Als Buch “an sich” perfekt gemacht – dennoch schade, dass ein schönes Thema so verschenkt wurde.

Anne Murray-Robertson: Grasset. Pionnier de l’Art Nouveau

Anne Murray-Robertson: Grasset. Pionnier de l’Art Nouveau.

Die Jury schrieb:

“Une mise en pages parfaitement maîtrisée, en dèpit de l’œuvre hétérogène de Grasset, restituet pleinement l’univers de l’artiste.” ("Ein trotz dem heterogenen Werk von Grasset perfekt gemeistertes Layout stellt das Universum des Künstlers vollständig wieder her.")

Ein Punkt fehlt noch, der für die meisten Leser doch der Entscheidende ist: die gelungene Reproduktion der wunderbaren Arbeiten von Eugène Grasset (1845–1917). Während alle Welt glaubt, der Jugendstil sei in Wien entwickelt worden, sieht man in diesem Buch in jeder Hinsicht sehr schön, welche überragende Bedeutung der begnadete Schweizer Künstler für diese Stilrichtung hatte.

Einziger Wermutstropfen: viele, schätzungsweise mehr als die Hälfte der Reproduktionen sind in schwarz-weiß.

Christopher Lloyd: Camille Pissarro

Christopher Lloyd: Camille Pissarro

Wieviel Sachverstand war in der Jury? Auf den ersten Blick sieht man, dass die neben Schwarz-Weiß-Abbildungen zahlreich aufgenommenen Farb-Reproduktionen durchgängig blass und unscharf sind. Bei näherem Hinschauen erkennt man teilweise auch Farbstichigkeit.

Alles andere an dem voluminösen Band mag noch so perfekt sein – aber die Qualität der Abbildungen ist doch das Entscheidende. Gerade die geniale Pinselführung von Camille Pissarro, des großartigen impressionistischen Meisters, geht leider verloren.

Das hätte ein großer Wurf werden können.

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Hochgeladen am 1. November 2019. Zuletzt aktualisiert am 15. März 2020.

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Die auf dieser Seite vorgestellten Bücher wurden geliefert von: Buch-Galerie Silvia Umla (Auswahlhefte BRD und DDR), Der-Philo-soph (Schottland), Ralfs Bücherkiste (Gesellschaftsrecht), Antiquariat Jüterbook (Preußen), Antiquariat Daniel Viertel (Menschen am Land), Antiquariat Laessig (Le Corbusier), Librairie Rossolis (Façons d'autrefois), Antiquariat Sammlereck (Grasset),
Antiquariat Heiner Henke (Pissarro).

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