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Die schönsten Bücher 1977

1977 war die innenpolitische Lage der Bundesrepublik durch einen weiteren Höhepunkt in den Auseinandersetzungen mit der Rote Armee Fraktion (RAF) geprägt. Über das ganze Jahr hinweg erfolgte eine Reihe von schweren Terror-Anschlägen gegen Vertreter des Staates und der Wirtschaft. Eine Lufthansa-Maschine wurde gekidnappt. Der Prozess gegen die führenden RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe endete im Oktober 1977 damit, dass diese Selbstmord begingen. In der linksradikalen Szene wurde darauf hin verbreitet, ähnlich wie in den südamerikanischen Militärdiktaturen seien auch in der BRD “Todesschwadronen” unterwegs, um politische Gegner zu töten.

Die Erkundung des Weltraums machte weitere Fortschritte. Die amerikanischen Sonden Voyager 1 und 2 machten sich auf den Weg durch das Planetensystem in den interstellaren Raum.

Das amerikanische Computerunternehmen Apple brachte mit seinem Apple II den ersten Microcomputer (umgangssprachlich “Personalcomputer”) für den Massenmarkt auf den Markt. Der erste IBM PC erschien erst 1981.

Die schönsten deutschen Bücher 1977

Die fünfzig Bücher 1977
Stiftung Buchkunst, Frankfurt am Main


Wettbewerb und Katalog wurden zum letzten Mal von Hans Peter Willberg betreut, der eine Professur an der Fachhochschule Mainz antrat und deshalb die Stiftung Buchkunst verließ.

Willberg hatte den Wettbewerb seit seinem Einstieg im Jahre 1968 (neutral gesagt) stark geprägt. Was würde die Zukunft bringen? Würde es zu großen Veränderungen kommen?

1977 wurden 52 Werke von insgesamt 479 Einreichungen (1975: 419, 1976: 439) als „die fünfzig Bücher” ausgezeichnet. Die Beteiligung am Wettbewerb stieg also wieder an, nachdem sie 1973 massiv eingebrochen war (blieb aber im Vergleich zu 39.044 Titeln in Erstauflage insgesamt sehr gering).

Prozentual ausgedrückt wurden rund 1,2 % der Jahresproduktion an Erstauflagen eingereicht und rund
1,3 ‰ der Auszeichnung für würdig empfunden.

Es gebe eine „neue Hinwendung zu bewußt, ja ‘schön’ gestalteten Büchern, so Hans Peter Willberg im Vorwort, allerdings auch „unbewältigte Probleme, vor allem technischer Art.”

Die von der Jury gesehenen Mängel hatten zur Folge, dass nur 34 von 150 beteiligten Verlagen überhaupt berücksichtigt wurden. Wenn man bedenkt, dass diejenigen Verlage, die sich die Mühe machten, Bücher zur Begutachtung einzuschicken und die dafür fälligen Gebühren zu zahlen, wohl schon anspruchsvolle Verlage waren, ein doch hartes Urteil.

Aber wenn auch die Auswahl der Jury möglicherweise zu streng und wiederholt einseitig zu sein schien (siehe unten), so verwundert es schon, dass offenbar ein Buch eingereicht wurde, das beim Aufschlagen auseinander brach. (War man zu forsch? Forderte man ein anderes Exemplar an? Häufig wurden auch Mängel übersehen oder als unwichtig erachtet.)

Im Folgenden das Resumée der Jury.

Der Offset-Druck hatte sich mittlerweile fast komplett durchgesetzt. Das Schriftbild sei aber oft noch nicht zufriedenstellend, was auf „schlechte Arbeit“ zurückzuführen sei.

Der Fotosatz war weiter auf dem Vormarsch und stellte jetzt bereits 33 der 52 Preisträger. Bei der Textdarstellung gebe es aber noch erhebliche Probleme (vom Chronisten mehrfach angemerkt), wenn die Qualität auch langsam besser werde.

Die meisten Mängel seien jedoch bei der Bindung zu verzeichnen gewesen, weshalb u. a. ein „vorzüglich gestalteter und gedruckter Kunstkatalog” ausscheiden musste. Hier wird als Ursache die nicht erfolgte Beratung durch „verantwortungsbewusste Buchbinder” genannt.

Insbesondere bei Bildbänden wird eine schlechte Abstimmung von Text und Bild kritisiert, „die viele Buchgestalter nicht in Einklang zu bringen vermögen”, wie lapidar und erneut sehr hart konstatiert wird.

Heftige, ja extreme Kritik wird bei der Gattung der Jugendbücher geübt. Hier „läuft nichts mehr”. Kein „progressiver Verlag” habe „die anderen mitreißen” können. Ein „geradezu erschreckender Qualitätsbruch” sei zu verzeichnen. Der Chronist dieser Seiten versucht sich die Reaktion der Verlage vorzustellen, die einen solchen Verriss durch Herrn Willberg und seine Kollegen erleiden – die Reaktion mag zwischen Enttäuschung, Unglauben und Wut gelegen haben.

Bei den Schulbüchern sei allerdings eine erfreuliche Entwicklung zu sehen.

Mehrmals wird betont, dass man auf „Experimente” warte, auf „Ansätze, die die Grenzen der  Buchgestaltung erweitern”.

Allerdings, so die Meinung des Chronisten, mussten diese „Experimente” auch verkaufsfähig sein und in die Richtung gehen, die dem erlesenen Zirkel der Jury zwar irgendwie vorschwebte, aber nicht bekannt gemacht wurde. Wo würde die „Elite der Buchgestaltung” die Grenze ziehen? Noch im Vorjahr hatte Herr Willberg geschrieben, die „durch jahrhundertelange Leseerfahrung gültigen Normen” dürften nicht verletzt werden.

Leider finden erneut Bücher keine Berücksichtigung, weil sie angeblich anderen Druckerzeugnissen derselben Verlage in der Aufmachung ähnelten. Betroffen davon seien u. a. der Prestel-, der Emig- sowie drei weitere Verlage. Einfach dumm, dass es den Verlagen (die ja Träger der Stiftung Buchkunst waren) nach 25 Jahren Wettbewerb nicht begreifbar war, was die Jury wollte oder nicht wollte. Ganz sicher lag es auch daran, dass das Prinzip, keine Reihungen zu prämiieren, nicht durchgängig angewandt wurde, wie der Chronist bereit häufig herausgestellt hat. Zum Beispiel wird auch 1977 wieder ein dtv-Atlas ausgezeichnet.

Bei einer Bewertung der Arbeit und der Auswahl der Jury für das Jahr 1977 sind im Prinzip dieselben Kritikpunkte anzuführen wie in den Jahren zuvor.

Keine Gestaltungsfreudigkeit des eigenen Kataloges (Variation desselben Einbandes seit 1971; diesmal mit schief sitzender Grafik), Auszeichnung von Reihungen (s. o.), Auszeichnung von sehr teuren und nur in extrem kleiner Auflage erschienenen Büchern (Buch Nr. 50 mit einer Auflage von 100 Exemplaren und einem Preis von 2200 DM bei einem Umfang von 38 Seiten und – man glaubt es kaum – Ringheftung) sowie von Taschenbuchausgaben bei verfügbarer Hardcover-Edition.

Bei 52 ausgewählten Bänden erscheinen auch 16 Kinder- und Schulbücher im Verhältnis erneut zu viel.

1977 gab es schon die ISBN für Bücher. Die Angabe hätte im Katalog erwartet werden können.

Ein Wort der Kritik muss auch wieder zum Verhältnis zu den Sponsoren fallen:

Da gibt es zum einen das Phänomen, dass bestimmte Fabrikanten die Kosten für die Erstellung des Kataloges übernahmen, wie z. B. regelmäßig die Papierfabrik Scheufelen. Bei den Preisträgern finden sich dann 19 Bücher, die auf Papier dieses Herstellers gedruckt wurden. Kein Interessenkonflikt?

Häufig sitzen auch Vertreter der Hersteller, v. a. der Verlage, direkt in der Jury. Dabei wird regelmäßig die Zugehörigkeit der Jury-Mitglieder zu entsprechenden Unternehmen verschleiert, weil diese nicht genannt werden, sondern die Personen nur Fachrichtungen zugeordnet werden. Klar wird es nur Branchen-Insidern oder in Fällen wie dem Jury-Mitglied Gerd Hatje, wenn der Verlag den gleichen Namen trägt (ausgezeichnet: 2 Bücher).

Bei den “Verlagsherstellern” und “Buchkünstlern” erhielt das langjährige, aber jetzt ehemalige Jury-Mitglied Juergen Seuss 6 Auszeichnungen erhielt. Der Geschäftsführer der Stiftung Buchkunst, Hans Peter Willberg, der auch als Mitglied der Vorjury großen Einfluss nahm, kam immerhin auf 5, und Rolf Staudt, ebenfalls Mitglied der Jury, auch auf 5 Auszeichnungen. Drei Personen, die direkt am Sitz des Börsenvereins und der Stiftung Buchkunst in Frankfurt und Umgebung arbeiteten bzw wohnten und sich vermutlich auch untereinander gut kannten, machten also schon fast ein Drittel der Preise unter sich aus. –

Beim inhaltlichen Überblick über die Preisträger ist es interessant, dass erstmals die „Datenverarbeitung” (wie es damals noch hieß) mit gleich zwei Büchern Einzug hielt. Eine neue Zeit kündigte sich an.

Friedrich Hölderlin: Sämtliche Werke. Frankfurter Ausgabe. Band 3. Jambische und hexametrische Formen.

Friedrich Hölderlin: Sämtliche Werke.
Frankfurter Ausgabe.
Band 3. Jambische und hexametrische Formen.


Dieses verdienstvolle Projekt erschien von 1975 bis 2008 in 20+3 Bänden.

Alle bekannten Versionen der Hölderlin-Texte, mit allen Abschriften, Kopien, Streichungen, Einfügungen, Korrekturen etc. wurden herangezogen, verglichen, Druckfehler, Versehen, Fremdeingriffe bereinigt, die Textversionen in den historischen Zusammenhang gestellt, um letzten Endes zu “emendierten”, “konstituierten” und “differenzierten” Versionen zu kommen.

Die Vorgehensweise wurde dabei genauestens und so penibel wie möglich dokumentiert. Kenntlich gemacht wurden die unterschiedliche Herkunft der einzelnen Textabschnitte (oft nur einzelner Wörter) mit unterschiedlichen Schriftarten bzw. unterschiedlichen Schnitten dieser (also normal, fett, kursiv usw.). Dieses Verfahren, heute am PC oder Mac ein Kinderspiel, war damals am IBM Composer, einer schreibmaschinenähnlichen Apparatur, extrem aufwendig.

Abgebildet sind immer auch die Reproduktionen der originalen Handschriften Hölderlins. An die heranzukommen und sie lesen zu können, da sie natürlich in der damaligen deutschen Handschrift verfasst waren, darin bestand sicher schon die erste Herausforderung.

Die entstandenen Bücher sind nicht eigentlich etwas für Liebhaber von Hölderlin oder der Romantik, sondern in ihrer fachlichen Ausrichtung eher für Germanisten und Forscher gedacht.

Entstanden ist das in den Feuilletons stark beachtete Projekt (man sprach gar von einer “Revolutionierung der Textedition”) durch die Zusammenarbeit zwischen dem Hölderlin-Enthusiasten D. E. Sattler und Karl Dietrich “KD” Wolff, dem Herausgeber des linksradikalen Verlages Roter Stern (später Stroemfeld genannt). Dieser gehörte in die Phalanx der linken Verlage wie Rotbuch, Kursbuch, März oder Trikont, die Literatur druckten, die für die bürgerlichen Verlage wie Rowohlt oder Fischer entweder zu extrem war oder nicht genügend Absatz versprach.

Als KD Wolff dann nicht Klassenkampf in kommunistischer oder anarchistischer Fassung druckte, sondern Hölderlin, rieb man sich schon verdutzt die Augen. Immerhin sprach das für die professionelle Leidenschaft dieses Verlegers. Ebenfalls ungewöhnlich war bei der damaligen, heftig zerstrittenen Linken die Zusammenarbeit eines DKP-Mannes (Sattler) mit einem ultraradikalen Linken (Wolff), der auch schon mal Texte aus dem Umfeld der RAF gedruckt hatte.

Soviel zum zeitgeschichtlichen Hintergrund. Mittlerweile sieht es schlecht um Roter Stern / Stroemfeld aus. 2018 musste KD Wolff zum zweiten Mal Insolvenz anmelden. Hauptgrund war die Tatsache, dass die Zahl der Leser (nicht nur) für solche Ausgaben wie die hier vorgestellte stark abgenommen hat.

Alle Bände der “Frankfurter Ausgabe” erschienen gebunden und broschiert. Prämiiert durch die Stiftung Buchkunst wurde die abgebildete broschierte Ausgabe des 3. Bandes. Warum nicht die höherwertige, gebundene Leinenausgabe ausgezeichnet wurde, ist ein großes Rätsel. Am Preis kann es nicht gelegen haben, weil der den Juroren sonst egal war und auch das Paperback schon teure 55 DM kostete. Die gebundene Ausgabe war für 78 DM zu haben.

Ernst Jünger / Wolf Jobst Siedler: Bäume

Ernst Jünger / Wolf Jobst Siedler:
Bäume

An dem Titel merkt man, dass das Ende der 70er Jahre erreicht wird. Langsam aber sicher rücken ökologische Themen in den Fokus. War es bei Brecht noch „fast ein Verbrechen”, über Bäume zu sprechen, und titelte 1968 der SDS unter Verwendung der Konterfeis von Marx, Engels und Lenin: „Alle reden vom Wetter – wir nicht”, wollte man doch jetzt auch wieder über die Natur sprechen. Um 1980 würde das (dann nie stattgefundene) „Waldsterben” ausgerufen werden.

Gestaltet wurde das eigentlich schön gemachte Buch „Bäume” von Hans Peter Willberg, dem Geschäftsführer der Stiftung Buchkunst, persönlich.

Er verpasste ihm einen marmorierten Einband (in dem man ein dichtes Blätterwerk oder ein Wurzelgeflecht erkennen könnte), ein ungewöhnlich hohes (aber sinniges) Format, einen pechschwarzen Vorsatz (der auch grün hätte sein können, aber besser zu den Schwarz-Weiß-Fotos passt), ein sehr luftiges Layout (ebenfalls passend) und mit der Romulus eine feine, aber gerade noch gut lesbare Schrift sowie sehr angenehmes und mit 135 g recht schweres Papier (aus Paris importiert). Die Farbe Schwarz taucht bei den Trennblättern der Buchabschnitte wieder auf. Bei der Handhabung (also beim Lesen) scheint der innere Seitenrand zu schmal.

Der Band enthält einige Gedichte deutscher Klassiker, zwei Essays und 58 passable bis gute, aber oft flau und unscharf reproduzierte Schwarz-Weiß-Fotos.

Zu den eigentlich lesenswerten Essays. Der antidemokratische, rechtsextreme Vordenker der „konservativen Revolution” Ernst Jünger (1895–1998) steuert tiefsinnig-philosophische Betrachtungen mit völkischen Akzenten bei. Und der Verleger Wolf Jobst Siedler (1926–2013) erörtert in zivilisationskritischer Manier die Veränderungen der Lebensumwelt der Städte und ist dabei in seiner Gedankenwelt nicht gänzlich moderner als Jünger. Beide sind sich ähnlich in der Kritik an der “Nivellierung” (Jünger) und gar der “Plebejisierung” (Siedler) der Gesellschaft.

Ernst Jünger war eigentlich schon seit den 60er Jahren bei einer intellektuell und politisch anspruchsvollen Publikation wie den „schönsten deutschen” (oder „den fünfzig”) Büchern nicht mehr auszeichnungsfähig. Sollte vielleicht die Mitwirkung von Willberg die Jury umgestimmt haben?

Aber dann kommt etwas, was gar nicht geht, nämlich der Abschnitt „Quellen”.

Kann man damit leben, die Gedichte ohne Quellenangaben vorzufinden, so widerspricht es doch jeder verlegerischen Norm, zu verschweigen, dass es sich bei den beiden Essays um eine Zweitverwertung handelte. Der Aufsatz von Jünger erschien bereits 1962, der von Siedler 1964, übrigens ein Jahr bevor Alexander Mitscherlich 1965 in seinem Werk “Die Unwirtlichkeit unserer Städte” dasselbe Thema aufgriff.

Auch nicht sehr vorbildlich ist der Umgang mit den Fotografen. Sechs Fotografen (darunter auch wieder Willberg selbst) bzw. Verlage/Agenturen werden genannt, diesen aber die Fotos nicht zugeordnet. Ideal, aber für den Band vielleicht zu botanisch und zu exakt, wäre es gewesen, bei den Fotos die Gattungen der Bäume und den Standort zu vermerken.

Hein und Oss Kröher: Das sind unsere Lieder. Mit Bildern von Gertrude Degenhardt.

Hein und Oss Kröher: Das sind unsere Lieder.
Mit Bildern von Gertrude Degenhardt.


Man hätte erwartet, dass das von der gewerkschaftseigenen Büchergilde Gutenberg verlegte Liederbuch die Kampflieder der größereren Rebellionen und Aufstände seit dem Mittelalter versammelt. Das tut es auch. Vom Bauernkrieg über die niederländischen Geusen, von den 48ern bis zur „Internationalen” und der „Arbeiter-Einheitsfront”wurden bekannte und weniger bekannte Lieder aufgenommen.

Dass diese ergänzt wurden um Songs der DKP-Barden wie Dieter Süverkrüp, Franz Josef Degenhardt und Hannes Wader ist erträglich und war bei dem damaligen Einfluss der DKP auf die Gewerkschaft ebenfalls zu erwarten. Diese Songs als “Volkslieder” zu bezeichnen, ist aber etwas vermessen.

Dann wurden noch zahlreiche harmlose und unpolitische Volkslieder aus mehreren Jahrhunderten aufgenommen („In Lauterbach hab ich mein Strümpfel verloren”), was aber der im Vorwort erklärten Konzeption entspricht und nicht unbedingt schadet.

Überraschend ist aber, dass in einer wilden Mischung ebenfalls alle möglichen Sauf- und Gaudi-Lieder wie „Die alten Rittersleut” Eingang in die Liste der 218 Lieder fanden. Dadurch verliert das Buch an Wert.

Die Gestaltung scheint auf den ersten Blick gelungen. Schaut man aber näher hin, ist es schwer zu fassen, wie viele Fehler das Buch hat.

Am schwerwiegendsten sind die durchgängig viel zu geringen, man muss fast sagen: fehlenden, Abstände zwischen den Wörtern der Liedtexte, zwar wegen dem gesperrten Text nicht unter den Noten, aber sonst in allen Strophen, oft auch in den Titeln. Es handelt sich nicht um Unachtsamkeiten, sondern das Buch wurde komplett so gesetzt. Da verwundert es schon, wie Hans Peter Willberg im Vorwort des Auswahlheftes die Unzulänglichkeiten in der Anwendung des Fotosatzes brandmarkt und dann als Typograph selbst verantwortlich für eine solche Zumutung ist. Und gerade die Texte eines Liederbuches sollten wohl gut zu lesen sein.

Auch die Spielereien mit der Titelei und der Inhaltsübersicht (diese im Fließtext!) machen diese Angaben nicht lesbarer.

Der Satzspiegel des Schutzumschlages kann natürlich nicht als quasi rechte Seite einen schmaleren inneren Rand haben, sondern muss wie ein Rahmen links und rechts über gleich große Seitenränder verfügen. Der Schutzumschlag ist wie üblich bei der Büchergilde zu empfindlich (die Auswirkungen sieht man sehr schön bei den Abbildungen der antiquarischen Exemplare in den einschlägigen Portalen). Es ist nicht der Sinn, den Umschlag bei Verwendung des Buches abzunehmen, um ihn zu schützen.

Bei vielen Liedern fehlt an Ort und Stelle die Angabe des Ursprungs. Man muss mühsam im Anhang nachschauen, aber auch dort steht es häufig nicht. Da, wo die Herkunft genannt wird, stimmt es nicht immer.

Die Genres, denen die Lieder zugeordnet werden, sind manchmal falsch. Zum Beispiel ist „Bella ciao” natürlich keine „Italienische Volksweise”, sondern ein Partisanenlied.

Die Titel der Lieder sind manchmal „komisch” und unüblich. Häufig wird einfach die erste Zeile genommen.

Das Buch war im Gewerkschaftsumfeld damals allgegenwärtig. Es erschien in der gigantischen Erstauflage von 37.000 Exemplaren und erfuhr zwei weitere Auflagen bzw. Ausgaben.

Erkennungszeichen für diese und weitere Publikationen der Büchergilde waren die Bilder von Gertrude Degenhardt. Die skurrilen, zotteligen, oft auch gruseligen Gestalten (man schaue sich mal die Hände an) auf diesen Radierungen und Zeichnungen befinden sich meist im vorgerückten Alter und essen zu viel, wollen aber immer noch wild und gefährlich aussehen und gefallen sich in obszönen Gesten – Ab-/Selbstbild der Kunden dieses Werkes?

Zur Mitwirkung von Hans Peter Willberg bei diesem prämiierten Buch (Nr. 2 auf der Liste) muss erneut die Frage aufgeworfen werden, wie es sein kann, dass ein Buchgestalter, dessen eigene Werke für den Wettbewerb kandidieren und auch Auszeichnungen erhalten, als eine von drei Personen selbst an der Vorjury teilnimmt, wo die entscheidende Vorauslese für den Wettbewerb stattfindet.

Dieter Wiesmüller / Fritz Deppert: Zwei in der Stadt

Dieter Wiesmüller / Fritz Deppert:
Zwei in der Stadt


Dieter Wiesmüller (*1950) ist einer der profiliertesten deutschen Illustratoren. Wie sein Texter Fritz Deppert (*1932) arbeitet er sowohl für den Kinder- und Jugend-, als auch für den Erwachsenenbereich.

Die Geschichte zweier unterschiedlicher Buben, die zusammen die Stadt entdecken, nachdem sie Freundschaft geschlossen haben, ist hübsch gemacht, nachdem sie zunächst etwas schwerfällig und nicht gerade glaubwürdig ins Laufen gekommen ist. Auf jeden Fall ist sie pädagogisch wertvoll.

Die Illustrationen in einer Aquarell-Mischtechnik sind interessant und gekonnt. Am gelungensten, ja geradezu perfekt sind Körperhaltungen wiedergegeben, wobei Fotos wohl als Vorlage dienten. Hingegen scheinen Gesichtszüge nicht differenziert genug ausgearbeitet, vor allem beim Titelbild.

Wolfgang de Haën / Franz Moisl: Wir entdecken Tiere

Wolfgang de Haën / Franz Moisl:
Wir entdecken Tiere


Die Betonung und Erklärung wissenschaftlich richtiger, ökologischer Zusammenhänge wird für Tierbücher Ende der 70er Jahre immer wichtiger.

Dass man das nicht mit der Holzhammermethode machen muss und dass so ein Buch trotzdem (auch für Erwachsene) ungemein spannend und lehrreich sein kann, beweisen der Texter Franz Moisl und der Illustrator Wolfgang de Haën. Das Buch war auch recht erfolgreich und erfuhr mehrere Neuauflagen.

Die Illustrationen halten allerdings nicht ganz das, was das Titelbild verspricht.

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Der Wettbewerb in der DDR

Die schönsten Bücher der DDR 1977

Die schönsten Bücher der DDR 1977

50 von 250 eingesandten Büchern wurden ausgewählt. Besonders wichtig seien Bücher „in hohen Auflagen für breite Leserschichten“, so der stellvertretende Kulturminister Klaus Höpcke bei einem Grußwort an die Jury, sicher auch als Direktive an die Verlage gedacht. Tatsächlich kostete auch rund die Hälfte der prämiierten Bücher weniger als 15 Mark.

Die Endauswahl fand wiederum in öffentlicher Sitzung statt. Die „zahlreichen Gäste“ hätten auch „lebhaften Anteil an den Diskussionen“ der Jury genommen – welch ein Unterschied zum in Abgeschiedenheit tagenden Branchenklüngel des BRD-Wettbewerbes. Die Gäste kamen aus Verlagen, Bildungsstätten und „polygraphischen Betrieben“ (DDR-Jargon für Druckereien).

Der Anteil der verschiedenen Literaturgattungen schwankte natürlich von Jahr zu Jahr. Diesmal war der Anteil der wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Werke niedriger als im Vorjahr.

Im Besprechungsteil werden nach wie vor viele Preisträger kurz vorgestellt und ihre Vorzüge angesprochen.

An erster Stelle der Preisträger – das war man der Staatsführung wohl schuldig – steht der Band „Erich Honecker. Skizze seines politischen Lebens”, von dessen Einband der SED-Parteichef in typischer Pose freundlich und selbstsicher lacht, dabei zur Seite schaut, weil man wegen den dicken Brillengläsern kein Frontalportrait nehmen konnte. Der Text (eine Doppelseite ist im Katalog abgebildet) ist fast noch schlimmer als befürchtet. „Mit Erich Honecker wurde ein treuer Sohn der Arbeiterklasse...” (...) „Dem Zentralkomitee erklärte er: ‘Ich bin mir der Schwere der Verantwortung vollauf bewußt...’” (...) „Wir können fest bauen auf die stete Einsatzbereitschaft all ihrer Mitglieder...” Und so geht es über 224 Seiten wohl in einem fort...

Zurück zum Jury-Bericht. Bei der Technik holte die DDR auf. 22 Titel wurden jetzt auch schon im Lichtsatz hergestellt, und auch hier werden Klagen über die Probleme angestimmt. Lustigerweise waren es aber die zu großen Wortabstände, nicht wie in der BRD die vom Chronisten beobachteten zu kleinen.

Der Offsetdruck nahm wir im Vorjahr etwa die Hälfte der ausgezeichneten Werke ein.

Die Buchbindung habe sich deutlich verbessert – ein gewisser Gegensatz zur BRD, wo vor allem über diesen Bereich der Bücherproduktion lamentiert wird.

Das DDR-Heft erschien jetzt schon sehr lange im selben broschierten Leineneinband, wobei die Unattraktivität durch die Farbauswahl nochmals gesteigert wurde. Aber bald – und diesmal parallel zur BRD – sollte sich hier etwas ändern.

Vergleich zwischen DDR, BRD, Österreich und Schweiz:
Anzahl der nationalen Buchtitel und Bevölkerungsgröße


In der DDR erschienen 1977 insgesamt 6015 Buchtitel mit einer Auflage von 137,8 Mio Exemplaren – also ein vergleichsweise „schmaler” Markt, aber mit einer hohen Stückzahl pro Titel. Die Einwohnerzahl war etwa 15 Mio.

Im Vergleich mit der Schweiz mit ca. 8 Mio Einwohnern und ebenfalls rund 6000 Titeln (1974) hatte die DDR in den 70er etwa die doppelte Bevölkerungsanzahl, legte aber nur gleichviel Buchtitel auf.

Dabei muss natürlich noch berücksichtigt werden, dass die Schweizer Bürger ungehinderten Zugang zum kompletten deutsch-, französisch- und italienischsprachigen internationalen Buchmarkt hatten (um nur mit den Landessprachen zu vergleichen). Daran erkennt man in frappierender Art, in welcher kulturellen Einöde die DDR-Bürger von ihrem Staat gehalten wurden.

Spitzenreiter (aber relativ gesehen nur leicht vor der Schweiz) war die BRD. Hier erschienen 1977 bei einer Bevölkerung von ca. 60 Mio, also der 4-fachen Einwohnerzahl der DDR, 39.044 Titeln in Erstauflage, also etwa die 6,5-fache Anzahl der DDR.

Weit zurück lag Österreich. Bei einer etwa gleich großen Bevölkerung wie die Schweiz (ca. 7,5 Mio Einwohnern) erschienen (1972) nur etwa 1700 Buchtitel, also weniger als 30 %.  Selbst verglichen mit der DDR ist das relativ zur Bevölkerungsgröße nur die Hälfte der Titelproduktion. Aber auch hier muss man bedenken, dass sich der österreichische und bundesdeutsche Buchmarkt nicht trennen lassen und ein Teil der Verlagsproduktion der BRD auch in die österreichischen Buchläden ging. Dennoch ergibt sich das Bild einer geringen nationalen Eigenproduktion.

Übrigens war der BRD-Katalog der einzige, in dem niemals die Zahl der insgesamt im Land veröffentlichten Buchtitel genannt wurde (eigene Quelle hierfür: “Buch und Buchhandlung in Zahlen 1978”). Der nur marginale Anteil der eingereichten Bücher wäre wohl allzu sehr aufgefallen.

Vergleich zwischen DDR und BRD: Auswahlprozess

Auch bei den DDR-Preisträgern findet man keine gleichmäßige Verteilung der Preise an die beteiligten Buchgestalter. Jedoch findet keine derartige Konzentration auf zwei bis drei Personen statt, wie sie beim westdeutschen Wettbewerb zu beobachten ist. (Beim Vergleich muss berücksichtigt werden, dass der auf Einzelpersonen bezogene Begriff „Hersteller” in der DDR richtigerweise gar nicht verwendet wird, da der „Hersteller” des Buches ein Verlag ist.)

Vor allem war der Auswahlprozess in der DDR viel offener und auch breiter strukturiert, so dass Möglichkeiten der (vorsichtig formuliert) „Selbstreferenzierung” einer extrem kleinen Gruppe kaum gegeben waren.

Die Jury bestand in der DDR aus 25 Personen, davon viele von außerhalb der Branche, vor allem von Hochschulen (BRD: 12 Personen; Branchenzugehörigkeit für Außenstehende nicht erkennbar, aber wohl alle oder fast alle Insider). An der für die Auswahl enorm wichtigen Vorjury nahmen ca. 50 Personen teil (BRD: 3). Die DDR-Jury tagte öffentlich, die BRD-Jury unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In der DDR waren 7 Gäste aus anderen Staaten beteiligt, in der BRD verzichtete man ganz darauf. Die DDR-Jury veröffentlichte Bewertungen einzelner Bücher und damit ihre Begründung (wie auch die Schweiz), die BRD-Jury verweigerte dies seit Bestehen des Wettbewerbes.

Alexander Blok: Die Zwölf

Alexander Blok: Die Zwölf

Die Veröffentlichung war ganz typisch für die DDR der späten 70er Jahre.

Zum einen erkennt man die nach wie vor enge Anbindung an den russisch-osteuropäischen Kulturkreis – als Effekt des Kalten Krieges und des Lagerdenkens.

Zum anderen gibt es eine gewisse Modernisierung und Lockerung im Kulturleben. Denn die Art, wie sich hier die zweisprachigen Verse wild über die Seiten verteilen, erinnert an Experimente mit dem Satzspiegel, wie sie in der BRD um 1970 herum aufkamen (aber auch schnell wieder ablebten).

Auch der Autor Alexander Blok (1880–1921) galt nicht unbedingt als linientreu. Sein im Januar 1918 in Petrograd spielendes Epos “Die Zwölf”, wo er 12 marodierenden Rotgardisten folgt, stieß auf Kritik sowohl bei seinen früheren Lesern der russischen Intelligentsia, als auch bei den Bolschewiki (mit der Ausnahme des intelligenten Leo Trotzki).

Was das Buch aber ganz außergewöhnlich macht, sind die meisterhaften Schablithographien von Rolf Münzner.

Dieter Mucke / Siegfried Linke: Ich blase auf dem Kamm

Dieter Mucke / Siegfried Linke:
Ich blase auf dem Kamm

Dieses Buch ist eigentlich Massenware. Bild und Text sind höchstens durchschnittlich geraten. Die von Siegfried Linke in Gouache gemalten jahreszeitlichen Szenen sind handwerklich hübsch gemacht, aber auch ein bisschen uninspiriert und zudem recht unscharf reproduziert. Die 12 Monatsgedichte von Dieter Mucke sind holprig und wirken einigermaßen bemüht.

Die buchbinderische Leistung mit dem gelungenen und sehr haltbaren Einband war es wohl, die zur Auszeichnung führte.

Autorenkollektiv: Früchte der Erde

Autorenkollektiv: Früchte der Erde

Ein Standardwerk, das wohl wegen der überwältigenden Fülle an Text- und Bildmaterial in die Auswahlliste aufgenommen wurde.

“Früchte” meint hier alles Obst, Gemüse und Getreide, das von Menschen gegessen oder anderweitig verwendet wird.

Die Textumfang der einleitenden wissenschaftlichen Kapitel ist vielleicht etwas überzogen und die Bildlegenden scheinen nicht immer so geschickt, dass man sich leicht orientieren kann. Zum Beispiel hätte man die Gemüsesorten auf S. 21 durchnumerieren sollen.

Das aus Fotos und Zeichnungen bestehende zahlreiche Bildmaterial ist nur von höchstens durchschnittlicher Qualität. Die Zuordnung Bild-Text ist nicht immer optimal.

Dafür sind die in lexikalischer Form gehaltenen Eintragungen zu den einzelnen Pflanzenarten so gelungen, dass sie auch heute (2019) noch fast ohne Abstriche verwendet werden können. Auch “neuere” Obst- und Gemüsesorten wie Mango, Papaya oder Avocado sind ausreichend vertreten.

Am interessantesten ist das Buch aber durch seine politische Bedeutung, denn die Versorgung der vom kapitalistischen Weltmarkt weitgehend abgeschnittenen DDR-Bevölkerung mit Südfrüchten war immer wieder ein leidiges Problem oder wurde dazu gemacht. Symbol dafür war die Banane, die es angeblich in der DDR nicht gab.

Doch die Zahlen geben ein differenzierteres Bild. Denn etwa 1978 lag die Pro-Kopf-Konsumtion von Bananen in der DDR bei 6,31 Kilo. Wer isst im Jahr über 6 Kilo Bananen?

Allerdings verschlechterte sich die Versorgung mit Südfrüchten insgesamt in den 80er Jahren dramatisch. Bananen z. B. brachten es 1988 nur noch auf 2,82 Kilo (immer noch mehr als viele Menschen davon brauchen).

Welche Entwicklung steckte dahinter?

In den 70er Jahren verbesserte sich durch kreditfinanzierte Reformen die materielle Lebenslage der DDR-Bürger erheblich, auch die Versorgung mit Obst und Gemüse. Das war wohl auch der Grund für diese Buchveröffentlichung, der man einen gewissen Stolz nicht absprechen kann.

In den 80er Jahren kam es jedoch in der DDR aus verschiedenen Gründen zu einer sich rasch verschärfenden wirtschaftlichen Krise, wodurch auch die Versorgung mit frischem Obst betroffen war.

Ökologisch sieht man heute manches anders. Der Transport von Südfrüchten um die halbe Erde nach Europa verschlingt riesige Energieressourcen. Der Anbau bringt massive Umweltbelastungen mit sich. Regionales, jahrezeitliches Obst gilt vielen als gesünder. Und damit waren die DDR-Bürger auch in den 80ern gut versorgt.

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Ein Blick nach Österreich

Die schönsten Bücher Österreichs 1977

Die schönsten Bücher Österreichs 1977

Das kurze Vorwort beschränkt sich auf die wichtigsten Fakten. Die Zahlen haben sich gegenüber dem letzten Jahr nur unwesentlich geändert. 1977 wurden 79 Bücher vorgelegt, von denen 12 Titel ausgewählt wurden.

Die Auswahlliste scheint wiederholt etwas limitiert, da Verlage und/oder Jury sich hauptsächlich auf Werke konzentrierten, die von österreichischen Autoren stammten oder sich in irgendeiner Weise österreichischen Themen widmeten.

Beim Umschlag ging man in diesem Jahr einmalig vom jetzt üblich gewordenen weißen oder cremefarbenen Rahmen um ein farbiges, aufgeklebtes Bild ab, um mit Schwarz um ein Schwarz-Weiß-Foto  die Preisträger des I. und II. Platzes zu signalisieren. Denn die Jury hatte es in diesem Jahr mit der Dunkelheit. Neben bzw. noch vor dem unten vorgestellten Band ging mit “Naive Architektur in Niederösterreich” auch der I. Staatspreis an einen Bildband, der Stimmung mit Unterbelichtung erzeugen will.

Alexandra von Malaisé: Stille

Alexandra von Malaisé: Stille

Eigentlich ein sehr schön gemachtes Buch. Stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Fotografien und eingängige Lyrik von Rilke, Hesse und anderen bekannten Dichtern ergänzen sich und ergeben ein stimmiges und ansprechendes Gesamtbild.

Wenn da nur die Vorliebe der Fotografin für Unterbelichtungen nicht wäre, woran viele Fotos des Bandes kranken. Der Schutzumschlag gibt ein krasses Beispiel dafür. Das Konzept, das dahintersteht, ist, Dämmerung, ja Dunkelheit und Schwärze mit “Stille” zu assoziieren. Leider wird diese Herangehensweise so arg strapaziert, so dass der Band insgesamt an Wert verliert und die Vergabe des II. Staatspreises nicht ganz nachvollziehbar ist.

Alexandra von Malaisé brachte 1980 noch “Vom Schatten ans Licht” heraus, also offenbar ebenfalls Fotos, bei denen Licht bzw. die Belichtung eine wichtige Rolle spielen, trat dann aber nicht mehr mit weiteren Publikationen hervor.

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...was macht die Schweiz?

Die schönsten Schweizer Bücher 1977

Die schönsten Schweizer Bücher 1977

Die Jury trat im April 1977 am Rande der Veranstaltungen zur 500-jährigen Buchdruckertradition der Stadt Genf zusammen. Entsprechend feierlich sind auch die Worte, mit denen Professor Dietrich Schwarz den Katalog einleitet.

Leider hat er auch schlechte Neuigkeiten zu verkünden. Die Anzahl der Einsendung ging von 324 auf 218 drastisch zurück (und erreichte damit noch rund 3,5 % der nationalen Buchproduktion – immerhin anteilmäßig drei mal so viel wie in der BRD). Schwarz führt dies auf ein neues Verfahren zurück, bei dem die Einsender einen umfangreichen und detaillierten Fragebogen beantworten müssen. (Vielleicht hätte man nur von den Preisträgern diese Angaben erfragen können?)

Mahnend erinnert der Präsident der Jury die Verlage daran, die Vorworte der Kataloge auch zu lesen. Dann würden sie nicht Bücher einsenden, die gar nicht ausgezeichnet werden könnten, zum Beispiel Reihen oder Werke aus zurückliegenden Jahren.

Ähnlich wie in der BRD seien es zudem oft nur kleine, aber vermeidbäre Mängel „wie Fehler am Einband, zu starke Transparenz oder falsche Laufrichtung des Papiers, ungleiche Farbgebung usw.”, die eine Auszeichnung verhinderten.

Bedauerlich sei, dass kein Werk aus dem rätoromanischen Tal der Schweiz bei den Preisträgern sei. Die Anteile der anderen Regionen an den 31 prämiierten „Einheiten”: 19 aus der deutschsprachigen Schweiz, 9 aus der französischsprachigen Schweiz, 3 „aus dem Tessin”.

Bei der Auswahl fällt zum wiederholten Male der hohe Anteil an Grafikdesign-Büchern auf, der vielleicht auf die eingangs angesprochene starke Tradition der Schweiz beim Buchdruck zurückgeführt werden kann.

Igildo G. Biesele: Graphic Design

Igildo G. Biesele: Graphic Design

Zusammen mit “Geographie Europas” (siehe unten) schönstes und auch aufregendstes Buch der diesjährigen Wettbewerbe, soweit die Ergebnisse dem Rezensenten vorlagen.

12 Kunsthochschulen zeigen Arbeiten ihrer Studenten in den Bereichen Grafik Design und Visuelle Kommunikation. Die Ergebnisse beweisen ein geradezu umwerfendes Ausmaß an Phantasie, Kreativität und schon Professionalität.

Auch als Buch ganz hervorragend gemacht. Alleine die vielen hundert Abbildungen aus den unterschiedlichsten Quellen ansprechend zu reproduzieren, ist eine Meisterleistung. Der dreisprachige Text ist allerdings sehr klein.

Die Gestaltung des Umschlages ist nicht glücklich und zudem nicht exemplarisch für den Inhalt.

Störend ist auch, dass die Namen der Dozenten (von denen keine Arbeiten wiedergegeben werden) vollständig genannt werden, diejenigen der Studenten aber nur mit Nachnamen und den Vornamen mit Initial.

Oskar Bär: Geographie Europas

Oskar Bär: Geographie Europas

Glücklich die Schüler, die mit so einem Buch arbeiten und lernen dürfen (durften). Eine fast schon übergroße Fülle an übersichtlich angeordneten Informationen, dargebracht auf über 300 großformatigen Seiten. Überragend illustriert, dabei ausgewogen in Fotos und Grafiken aufgeteilt.

Man erkennt auch deutlich die internationale Orientierung der Schweiz. Die Nachbarstaaten stehen am Anfang des Buches, erhalten die größte Aufmerksamkeit und umfangreiche Würdigung. Das Land, dem die meisten Seiten gewidmet werden, ist Italien. Dann kommt Frankreich.

Im Vergleich mit bundesdeutschen Schulbüchern wird die Wissenschaftlichkeit nicht übertrieben. Die Darstellung wirkt hingegen sehr anschaulich und weckt das Interesse beim Leser – auch beim erwachsenen.

Irritierend wirkt, dass die Bildlegenden nicht alle verwendeten Symbole erklären. Diese sind wohl einem entsprechenden Begleitband vorbehalten (?). Und dass die Infokästen die (nach Ansicht des Rezensenten nicht immer ausreichend genauen) Bezeichnungen der Fotos der kompletten Doppelseite enthalten, führt zu ständigem Hin- und Herschauen auf der riesigen Doppelseite.

Auch buchbinderisch überaus gelungen und solide.

Ähnlich sah es die Jury: „Hervorragendes, besonders anregend wirkendes, technisch tadellos gestaltetes Schulbuch.”

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Hochgeladen am 12. Februar 2019; zuletzt aktualisiert am 12. Mai 2019.

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Die auf dieser Seite vorgestellten Bücher wurden geliefert von: Buch-Galerie Silvia Umla (Auswahlhefte BRD und DDR),
Cobra Antiquariat, Oberursel
(Bäume), Antiquariat Daniel Viertel (Tiere), Das Alte Buch (Kamm), Der-Philo-soph (Stille),
Buchwurm, Viersen (Graphic Design).

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