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1. September, abends, 8 Minuten vor 9. Es wird gerade dunkel. Da sausen mit dem typischen sirrenden Geräusch zwei Enten im Tiefflug und
hintereinander leicht versetzt übers Haus Richtung Plateau, wahrscheinlich zum dortigen "Ententeich". Seit längerem fällt mir dieses Pärchen auf. Unabhängig von der Uhrzeit fliegen sie immer mit dem allerletzten
Licht zu ihrer Übernachtungsstätte. Ich kann gerade noch die Umrisse erkennen. - Der September wird nach schwülem Beginn bei trockenem und recht frischem Wetter schon herbstlich - eigentlich eher wie ein schöner
Oktober.
Die Weintrauben an der warmen Garagenwand habe ich mit einem Netz vor den Amseln geschützt. Zwei mal sind Rettungsaktionen nötig. Amseln
haben sich im Netz verfangen. Den ersten Vogel mit einer auffälligen rötlichen Zeichnung am Hals befreit meine Frau. Zwei Tage später bricht sich dieses Exemplar leider den Hals an einer Fensterscheibe. Ein weiteres
Exemplar schneide ich selbst aus dem Netz heraus - hoffentlich mit längerer Überlebensdauer. Als ich die Amsel in der Hand halte und sie mich beißen will, fällt mir auf, was Vögel für interessante Zungen haben. Ein
längliches Plättchen, was an einem schon eher unserer Zunge vergleichbaren Muskel befestigt ist und nach oben gegen den "Gaumen" gedrückt werden kann.
Mitte September traumhaftes frühherbstliches Wetter. Tags mild, nachts teils schon im einstelligen Bereich. Gegen Abend diese
unvergleichliche Stimmung eines Altweibersommers: kaum ein Wind, die beginnende Kühle der Nacht schon auf der Haut spürbar, eine Art Ruhe senkt sich herab. Eine auf der Haut von allen Seiten spürbare, starke
sinnliche Präsenz der Natur und der Dinge in ihr. Leichte Melancholie des Übergangs von Sommer zu Herbst. Das Schwingen der Erdachse und das dadurch verursachte Wegdrehen der nördlichen Halbkugel von der Sonne. -
Auch: Erinnerungen an Oktobertage im Elsaß. - Es blühen Herbstastern, Sonnenblumen, Dahlien, Sonnenhut.
Ein kleiner Pulk Kohlmeisen sucht nach Freßbarem bei den Kübelpflanzen auf der Terasse. Eins der drei Tiere stattet den Kanarienvögeln im
Käfig einen Besuch ab und versucht von außen an Körner zu kommen.
Heiß begehrt sind immer wieder die für Menschen roh nicht genießbaren Beeren der Eberesche. Dieses Jahr hängt unser größter
"Vogelbeeren"-Baum über und über voll mit Früchten - hing, denn Mitte September ist er bereits weitgehend geplündert. Amseln versuchen in einer Art Sprungflug noch an hängende Beeren zu gelangen, die sie auf
Zweigen sitzend nicht erreichen. Es sieht recht tolpatschig aus, führt aber wohl zum Erfolg. Aber immer nur bei einer einzelnen Beere! Ob die Energieausbeute die bei der Flugakrobatik verbrauchte Energie aufwiegt,
halte ich für zweifelhaft.
An der Zufahrt steht eine Ligusterhecke, durchwachsen mit einigen anderen Sträuchern. Was raschelt und huscht da? An einer etwas lichten
Stelle spähe ich in die Ecke. Ein Rotkehlchen und ein Zaunkönig schauen mich scheu für wenige Sekunden an - dann fliegen sie auf.
Ein Vorstoß arktischer Kaltluft ab dem 20.9. beendet die seit Ende Juli andauernde Schönwetterphase brutal.
Ende September teilen sich in der Eberesche Amseln und Wacholderdrosseln die Vorherrschaft. Ein Buntspecht taucht ebenfalls auf, wird der
Angriffe der Amseln aber bald überdrüssig und zieht weiter.
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