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Peters Gartenseiten
Vogel-Tagebuch

Herbst 2002

Winter 2001-02

Frühling 2002

Sommer 2002

1. September, abends, 8 Minuten vor 9. Es wird gerade dunkel. Da sausen mit dem typischen sirrenden Geräusch zwei Enten im Tiefflug und hintereinander leicht versetzt übers Haus Richtung Plateau, wahrscheinlich zum dortigen "Ententeich". Seit längerem fällt mir dieses Pärchen auf. Unabhängig von der Uhrzeit fliegen sie immer mit dem allerletzten Licht zu ihrer Übernachtungsstätte. Ich kann gerade noch die Umrisse erkennen. - Der September wird nach schwülem Beginn bei trockenem und recht frischem Wetter schon herbstlich - eigentlich eher wie ein schöner Oktober.

Die Weintrauben an der warmen Garagenwand habe ich mit einem Netz vor den Amseln geschützt. Zwei mal sind Rettungsaktionen nötig. Amseln haben sich im Netz verfangen. Den ersten Vogel mit einer auffälligen rötlichen Zeichnung am Hals befreit meine Frau. Zwei Tage später bricht sich dieses Exemplar leider den Hals an einer Fensterscheibe. Ein weiteres Exemplar schneide ich selbst aus dem Netz heraus - hoffentlich mit längerer Überlebensdauer. Als ich die Amsel in der Hand halte und sie mich beißen will, fällt mir auf, was Vögel für interessante Zungen haben. Ein längliches Plättchen, was an einem schon eher unserer Zunge vergleichbaren Muskel befestigt ist und nach oben gegen den "Gaumen" gedrückt werden kann.

Mitte September traumhaftes frühherbstliches Wetter. Tags mild, nachts teils schon im einstelligen Bereich. Gegen Abend diese unvergleichliche Stimmung eines Altweibersommers: kaum ein Wind, die beginnende Kühle der Nacht schon auf der Haut spürbar, eine Art Ruhe senkt sich herab. Eine auf der Haut von allen Seiten spürbare, starke sinnliche Präsenz der Natur und der Dinge in ihr. Leichte Melancholie des Übergangs von Sommer zu Herbst. Das Schwingen der Erdachse und das dadurch verursachte Wegdrehen der nördlichen Halbkugel von der Sonne. - Auch: Erinnerungen an Oktobertage im Elsaß. - Es blühen Herbstastern, Sonnenblumen, Dahlien, Sonnenhut.

Ein kleiner Pulk Kohlmeisen sucht nach Freßbarem bei den Kübelpflanzen auf der Terasse. Eins der drei Tiere stattet den Kanarienvögeln im Käfig einen Besuch ab und versucht von außen an Körner zu kommen.

Heiß begehrt sind immer wieder die für Menschen roh nicht genießbaren Beeren der Eberesche. Dieses Jahr hängt unser größter "Vogelbeeren"-Baum über und über voll mit Früchten - hing, denn Mitte September ist er bereits weitgehend geplündert. Amseln versuchen in einer Art Sprungflug noch an hängende Beeren zu gelangen, die sie auf Zweigen sitzend nicht erreichen. Es sieht recht tolpatschig aus, führt aber wohl zum Erfolg. Aber immer nur bei einer einzelnen Beere! Ob die Energieausbeute die bei der Flugakrobatik verbrauchte Energie aufwiegt, halte ich für zweifelhaft.

An der Zufahrt steht eine Ligusterhecke, durchwachsen mit einigen anderen Sträuchern. Was raschelt und huscht da? An einer etwas lichten Stelle spähe ich in die Ecke. Ein Rotkehlchen und ein Zaunkönig schauen mich scheu für wenige Sekunden an - dann fliegen sie auf.

Ein Vorstoß arktischer Kaltluft ab dem 20.9. beendet die seit Ende Juli andauernde Schönwetterphase brutal.

Ende September teilen sich in der Eberesche Amseln und Wacholderdrosseln die Vorherrschaft. Ein Buntspecht taucht ebenfalls auf, wird der Angriffe der Amseln aber bald überdrüssig und zieht weiter.

27. September, abends, 12 Minuten vor 8. Wieder die zum Teich fliegenden Enten. Diesmal höre ich nur das Geräusch der schlagenden Flügel. Aber exakt diesselbe Zeit der Dämmerung wie 27 Tage vorher. (Der Ententeich verlandet seit dem Spätsommer. Es liegt wohl am trockenen Sommer und am sinkenden Grundwasser im Vogelsberg allgemein. Vielleicht steigt der Wasserspiegel im Winterhalbjahr ja wieder.)

Wenn ich abend noch ein paar Minuten auf der Gartenbank in der östlichen Ecke des Gartens sitze, höre ich oft ein tak-tak-tak, tak-tak-tak-tak-, tak-tak. Welcher Vogel auf die Stämme der mächtigen Robinie hackt, erkenne ich aber erst eines Tages als ich an der Straße vom frühabendlichen Spaziergang mit Henry zurückkomme: ein Kleiber.

Anfang Oktober sehen wir wieder, was für ein imposanter Vogel ein Grünspecht doch ist. Eine beachtliche Größe und dann der leuchtendrote Scheitel. Er sucht die Wiese nach Ameisen ab und wird auch an mehreren Stellen fündig. Dann sucht er noch den Stamm der Hauszwetschge ab und verschwindet. - Einige Tage später sind zwei Grünspechte bei der

Ameisenmahlzeit. Eine Elster stört sich an den großen Vögeln in ihrem Revier, kann sich aber nicht durchsetzen. Als ich die Haustür öffne, fliegen alle drei Vögel auf.

Am 11. Oktober lautes Rufen von Wildgänsen*, das durch geschlossene Türen und Fenster dringt. Am Himmel steuern vier Pulks, davon zwei in V-Formation, aufeinander zu, um gemeinsam nach Südwesten, also in die Wetterau zu ziehen. Welche Art es ist, verschließt sich dem Laien. Vielleicht Kanadagänse?

Dann gibt es eine einzige Frostnacht, die den Dahlien den Garaus macht und in der Folge stellt sich die Großwetterlage um. Einige Tage wechselhaftes, windiges Wetter, Ende Oktober ein Sturm und die Bäume sind fast völlig entlaubt.

Mitte November ist es wechselnd wolkig, meist aber bedeckt und es ist sehr mild. Viel an Vögeln ist nicht zu sehen. Die Meisen, wie sie in den Ritzen und Fugen der Wände nach Spinnen suchen. Am Nachbarshaus stützt sich eine Kohlmeise dabei richtig mit dem sich dabei breit auffächernden Schwanz an der Mauer ab. - Ein Eichelhäher kommt und hüpft in der Japanischen Kirsche herum. Irgendwas frißt er auch. Vielleicht Knospen?

Das Wetter wird immer wärmer. Wenn man morgens raus kommt, ist eine Stimmung und ein Geruch in der Luft fast wie im Frühling. - Ganz ungewöhnlich: im November ein Distelfink im Garten. Er labt sich an den Samenständen der Rudbeckia hirta. Was für ein wunderschöner Vogel. Ungewöhnlich auch, daß es ein einzelnes Exemplar ist. Aufmerksam fliegt das Köpfchen hin und her. Dennoch kann ich mich ihm in Zeitlupe auf fast 2 m nähern.

* es waren wohl Kraniche