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Anfang Juni ist es bereits hochsommerlich warm. - Was sind das da für eigenartig schmatzende, schnalzende Vogelstimmen in den
Bäumen? Klingt fast wie Dohlen. Die Vögel, es müssen zwei sein, einer bei uns, einer gegenüber der Straße auf dem Feriendorf, sitzen so gut versteckt, daß ich den "unseren" erst Stunden später im alten
Pflaumenbaum entdecke. Eine junge Amsel signalisiert ihren Eltern, wo sie ist und daß sie natürlich noch was vertragen kann. Erstaunlich, daß ein so plump aussehender Vogel mit den kurzen Flügeln und dem
Stummelschwanz schon fliegen kann.
Das ungewöhnlich warme Wetter bleibt den ganzen Monat erhalten. Zwischendurch mal Schauer und Gewitter. - Und was ist das für ein
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Ein kleines Drama am Rande: Eine Wegwespe hat eine Laufspinne erbeutet und schleppt sie über die Sandsteinplatten der Terrasse. Dabei
läuft die Wespe rückwärts. An einer Stelle hält sie inne, legt die gelähmte Spinne ab und sucht in kreisenden Bewegungen ihr Ziel. Nachdem sie dieses gefunden hat - es ist ein Blumentopf mit einem Kaktus
- läuft sie wieder zur Spinne, packt diese erneut, findet jetzt schnell den Zielort und schafft es, an der glatten Außenseite des Kunststoff-Topfes hochzuklettern. Oben verschwindet sie mit der Spinne in
einer Röhre, die sie in die sandige Kakteenerde gegraben hat. Dort wird sie ein Ei auf die Spinne legen, welche der geschlüpften Larve als Nahrung dient. Vier Wochen später sehe ich zwei kleine schwarze
Wegwespen an eben diesem Kakteentopf herumschwirren.
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Kinderschrei immer wieder? Jedesmal dieselbe Tonlage. Klingt wie der schrille Aufschrei eines kleinen Mädchens, das mit kaltem Wasser
bespritzt wird. Nach Tagen wird mir klar, daß es ein Vogel sein muß.
Der Verdacht, daß es eine Amsel ist, bestätigt sich, als sie eines Tages in der seitlichen Japanischen Kirsche sitzt und den Schrei
wiederholt, vielleicht imitiert. Der Vogel hat selbst für eine Amsel eine ungewöhnlich laute und eindringliche Stimme.
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Ein weiblicher Buchfink kommt immer wieder auf die Terrasse und hüpft in Spatzenart auf den Sandsteinplatten herum. Er hat entdeckt, daß es
da Krümel zu finden gibt. Ich esse in diesen warmen Tagen fast nur draußen.
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Am 23. Juni einer dieser magischen Tage. Die angekündigte Gewitterfront kommt (mal wieder) nicht. Ab den Mittagsstunden weht dafür ein
böiger warmer Wind, der abends etwas frischer wird und die Schwüle hinweg weht. Wie im Süden am Meer ist es. Ich stehe abends noch lange im Garten oder sitze auf dem Mäuerchen und hänge meinen Gedanken nach. Henry
spürt meine etwas traurige Stimmung und weicht nicht von meiner Seite. Als es dunkel wird, kommen die Glühwürmchen und schwirren umher. Man sieht
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sie nur in Jahren mit einem warmen und trockenen Juni. Aber so viele waren es noch nie. Ihre Entsprechung finden sie in den
Sternen, die langsam hervortreten. Die Glühwürmchen sind natürlich etwas näher als diese und scheinbar schneller. Über der Wildwiese meint man in manchen Momenten, es wäre ein Funkenstieben. Ich habe
gelesen, Glühwürmchen machen irgendetwas Grausames mit ihren Geschlechtspartnern. - Und was bedeutet der Fund eines Hirschkäfer-Weibchens (durch Henry), das etwas benommen auf der Wiese liegt, aber kurze
Zeit später wohl wieder weggeflogen ist?
Angang Juli - das Wetter ist vorübergehend unbeständig und kühler geworden - sitzt die dominante Amsel mit dem "Kinderschrei" oben im alten Pflaumenbaum.
Mit dem Fernglas kann ich sie genau beobachten. Da sitzt sie lässig auf einem Bein und mit einem gelben Ring um die großen Augen und stößt ihre eindringlichen kurzen Strophen aus. Auch ein anderer Teil
ihres Liedes scheint mir imitiert zu sein. - Der Juli bleibt dann heiß und wird gelegentlich von gewittrigen Schauern unterbrochen.
Die letzte Juli-Dekade markiert spürbar den Übergang zum
Spätsommer und bringt eine Vorahnung auf den Herbst. Das Getreide auf den Feldern ist gemäht. Im Garten werden verblühte Stauden abgeschnitten, und einige Dahlien blühen bereits. Die Aster fricartii
"Mönch" fängt ebenfalls schon mit der Blüte an. Es ist natürlich auch ein sehr "frühes" Jahr. Eine Apfelsorte hängt schon rot am Baum, und die dicken
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Zwetschgen sind reif, zur Genugtuung von Henry. Es wird auch merklich wieder etwas früher dunkel und die Abende sind frischer. Die Natur
sagt deutlich, daß der meteorologische Kalender, nach dem am 1. September der Herbst anfängt, der richtige ist, und nicht der kalendarische, nach dem wir jetzt noch 8 Wochen Sommer hätten. -
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In der ersten Augusthälfte herrscht brüllende Hitze. Bei uns hier ist es tagsüber regelmäßig 35° warm, nachts fällt das Thermometer kaum
unter 20°. - In der zweiten Augusthälfte haben wir mit über 25° dann "nur" noch hochsommerliche Temperaturen, und die ungewöhnliche Trockenheit bleibt. Die Weintrauben sind 6 Wochen früher als sonst reif und müssen
mit einem Netz gegen die Amseln geschützt werden, was teilweise gelingt.
An Vögeln gibt es in diesen heißen Tagen nicht viel zu sehen. Amseln, Drosseln. Ein abgebrochener großer Ast des Zwetschgenbaumes lockert
die Szenerie ein bißchen auf. Ich erkenne ein Mönchsgrasmücken-Weibchen und immer wieder ein ziemlich zersaust aussehendes Rotkehlchen.
Doch halt - zu Beginn der letzten August-Woche etwas wirklich Ungewöhnliches. Was ist das da vormittags am Geländer des
Schlafzimmer-Balkons? Zwei junge Vögel, leicht meisenartig mit einem unverwechselbaren gelben Streif auf dem Scheitel. Die Bestimmungsbücher geben Auskunft: es sind zwei Wintergoldhähnchen. Der nahe Fichtenwald und
die paar großen Fichten an der Grundstücksgrenze neben der Schranke bieten ihnen wohl die gewünschte Nadelwald-Umgebung. Und sie sind auch nicht besonders jung, sondern die Art ist nur die kleinste europäische
Vogelart.
In diesen Tagen ist der Planet Mars so nahe an der Erde wie seit 6000 Jahren nicht. Und wirklich steht er überraschend groß und strahlend am
Firmament. In einer dieser Nächte - es ist Neumond - ist die Luft schon ziemlich frisch und als ich auf den Schlafzimmer-Balkon trete, ist das Sternenzelt von einer geradezu erschreckenden, fast erschlagenden
Klarheit und Präsenz, als wollte es sagen: "Du Kleiner da unten... Hier ist die Ewigkeit." Die vielen, vielen Sterne, wie Brillianten hängen sie da. Die Milchstraße zieht sich breit und quer über den Himmel, und
auch unzählige kleine Sterne sind deutlich auszumachen. -
Was sind das da für Finkenvögel am angebrochenen Birnenast? Eine ganze Familie, sechs Stück zähle ich. Sie laufen am Boden herum und ziehen
die Samenstände des Spitzwegerichs durch die Schnäbel. Eigentlich müßten es Buchfinken sein, aber dafür sind sie viel zu dunkel. Das Gefieder ist mittelbraun und die Flügel dunkelbraun mit einem weißen Streifen.
Über das Auge ist ein leichter Streif. Vielleicht besonders dunkel ausgefallene Exemplare. - Zwei Tage später sehe ich den Trupp in der Eberesche, habe eine bestimmte Vermutung und mit Hilfe eines guten
Bestimmungsbuches naht des Rätsels Lösung: es sind junge Dompfaffen. Bei den Jungvögeln fehlt nämlich noch die charakteristische schwarze Kappe der adulten Vögel und sie sind auch viel dunkler und bräunlich. Sie
haben aber schon im Gegensatz zum Buchfinken nur den einen Flügelstreif und den beim Fliegen auffälligen weißen Bürzel.
An den allerletzten Tagen des Monats August endlich der ersehnte Regen, der schauerartig
fällt und auch dem Treiben der Bläulinge in den Rudbeckia fulgida ein Ende bereitet.
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