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Anfang September echtes Altweibersommer-Wetter. Klare, frische und helle Tage. Nachts nur noch 5 Grad. Windstill. Einen Trupp von drei
Kohlmeisen beobachte ich schon seit dem Sommer. Am Vogelkäfig, wo noch zwei Kanarienvögel drin sitzen, machen sie sich zu schaffen. Dann sitzt eins auf den entlaubten Zweigen des gelben Rosenbuschs und ein anderes
(oder das selbe?) kurz später im abgestürzten Ast des Zwetschgenbaums. Was hacken sie denn da rum? Sie haben irgendwas, vielleicht Körner, zwischen den Krallen festgeklemmt und hacken darauf herum. Was ich bei
Meisen noch nie gesehen habe. - Was hüpft und fliegt da noch herum? Ein Zaunkönig, ein Rotkehlchen. Und vier weibliche Amseln versammeln sich kurz im von der Trockenheit völlig entblätterten großen Holunderbusch an
der Grundstücksgrenze, ehe sie ihre Schlafplätze aufsuchen.
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4. September, 20.47. Zwei Enten überqueren im Formationsflug, leicht versetzt, aber dicht hintereinander das Grundstück Richtung Ententeich
auf dem Plateau. Die Ähnlichkeit der Beobachtungen in den jeweiligen Jahreszeiten ist schon erstaunlich.
Die Hauhechel-Bläulinge sind wieder da, an den Rudbeckia fulgida. Aber dezimiert, vier Stück sehe ich
noch, und einer sieht ziemlich gerupft aus.
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Nach einer kurzen umbeständigen Phase wird es hochsommerlich warm bis in die dritte Dekade hinein. Am 22. September, passend zum
Kalender, dann der letzte Tag dieses unendlich langen Sommers. Ein Tag wie im Süden. Mein Garten,
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angelegt wie ein typischer Bauerngarten einer westeuropäischen Mittelgebirgsregion und in dieser Jahreszeit bestimmt von Herbstastern,
Sonnenblumen und remontierenden Rosen, sieht leidend aus unter der Hitze. Ein warmer Wind lindert abends die hochsommerlichen Temperaturen etwas ab. Dennoch ist es nach acht noch über 20° warm.
Um den
Monatswechsel herum nur ein einziger klarer Tag. Tagsüber bis 16°, im Schatten sich nie richtig erwärmend, nachts ziemlich frisch.
Seit Wochen fällt mir ein helles tak-tak-tak in der Robinie auf. Aber der
Baum ist zu dicht mit Sträuchern bewachsen. Ich finde die Quelle einfach nicht. Erst jetzt, auf dem Dach des Nachbarn und an der Straße zum Plateau hoch, sehe ich den Urheber. Ein Kleiber, in seiner faszinierenden
Art, kopfunter von Stamm zu Stamm springend. Eigentlich ein gar nicht mal so großer Vogel.
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Zwei Vögel kann ich mit Hilfe zweier Bücher (eins reicht oft nicht, da die Abbildungen zum "Original" meist etwas differieren)
bestimmen. Beide zeigen ein ähnliches Verhalten. Sie springen und schwirren durch die Zweige der Hartriegelbüsche und suchen auf der Unterseite der Blätter nach Insekten. Sie haben den typischen
länglichen Schnabel der Insektenfresser, nicht den klobigen Schnabel der Körnerfresser wie die Finken. Ein Blick durch das Fernglas. Eine Mönchsgrasmücke. Einer der am leichtesten zu bestimmenden Vögel.
Der andere.... Wieder helfen nur die deutlichen Hinweise in der Literatur auf die eigenen Merkmale der Jungvögel. Denn nur ein junger Fitis ist an der Unterseite so stark gelblich! Endlich bin ich sicher
mit der Bestimmung dieser Art!
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Anfang Oktober schwenkt ein Kaltlufttrog, wie die Meteorologen jetzt sagen, über Mitteleuropa. Empfindlich kühles und nasses Herbstwetter
ist die Folge. Aber schon zu Beginn der zweiten Dekade klart es sich wieder auf.
Die Eberesche ist jetzt fast völlig geplündert. Nur an fast unerreichbaren Stellen hängen noch ein paar Beeren. Neben den
Amseln entdecke ich zwei Rotdrosseln, eine Drosselart die an den deutlichen Streifen im Gesicht zu erkennen ist. Sie suchen am Boden herum nach Beeren und sitzen etwas bekümmert aussehend in den Ästen. Denn im Flug
die wenigen noch da hängenden Beeren zu erhaschen, gelingt ihnen nicht so gut.
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Zur Monatsmitte, am 15. Oktober, meldet der Wetterbericht zum ersten Mal "nachts verbreitet Frost". Einige Topfpflanzen müssen schon rein. -
An diesem Tag zwei ungewöhnliche Dinge. Im Gebüsch unter der seitlichen Japanischen Kirsche ein aufgeregtes Zwitschern. Was ist das? Meisen? Nein. Tatsächlich fliegen nacheinander vier Kleiber auf. Habe ich in
Gruppen noch nie gesehen. -
Und dann kurz nach sechs leises und typisches Schnattern von oben. Majestätisch zieht ein riesiger Schwarm Kraniche in einer großen, geschwungenen Linie und sehr hoch über unser
Haus. Es sind über 200 Vögel. Die Richtung ist genau Südwesten. Die Europa-Karte im Atlas enthüllt das Zielgebiet. Über das Rhein-Main-Gebiet geht es nach Südwest-Frankreich. Nantes, Bordeaux, vielleicht der Golf
von Biskaya. Wenn man die Fluglinie zurück in das Herkunftsgebiet zieht, ist es das Baltikum oder Südfinnland. Neben der nicht wie bei Gänsen keilförmigen, sondern geschwungenen Linie, die sich immer wieder leicht
auflöst, um sich dann wieder zusammenzusetzen, ist auch der Zeitpunkt des Zuges typisch für Kraniche: wenn die ersten Frostnächte kommen. Mir fällt ein, daß ich schon gestern mittag den typischen Ruf gehört habe,
aber nichts sehen konnte, weil ich gerade im Wald war.
Am nächsten Tag, nur fünf Minuten später, wieder die typischen Rufe von ganz oben. Diesmal ist es ein wesentlich kleinerer Schwarm und in V-Formation.
Eigentlich also eher Gänse-typisch.
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Immer wieder fallen mir in diesen Tagen zwei Kohlmeisen auf, die ständig alle Winkel und Ecken ums Haus herum absuchen und einen
putzmunteren Eindruck machen. Es sind wohl welche von dem kleinen Trupp Jungvögel, die ich seit Ende Mai beobachte. Beim Hecken-
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schneiden im Juli hatte ich auch das zwischen Holundertriebe gebaute Nest mit Resten der Eierschalen gefunden. Eine der jungen Meisen hat
den harten Existenzkampf der Singvögel nicht lange überlebt.
Die dritte Oktoberdekade ist winterlich kalt und trüb. Die noch blühenden Rosen und Astern haben keine Probleme damit, aber mit den Dahlien -
dieses Jahr eh durch die lange Trockenheit strapaziert - geht es schon zu Ende.
Zwei Distelfinken hängen in den ausgereiften Blütenkörbchen der Rudbeckia hirta und fressen emsig Samen. Trotz ihrer
farbenprächtigen Zeichnung sind die Vögel im Gewirr der Stengel und dunklen Samenstände unwahrscheinlich gut getarnt. Von weitem sieht es so aus, als nickten vielleicht abgeknickte Samenstände der Stauden im Wind.
Letztes Jahr war es immer nur ein Distelfink, den ich an der selben Stelle sah.
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Eigentlich bestand der Herbst in diesem Jahr nur aus vier Wochen. Am 24. Oktober photographiere ich früh morgens gefrostete
Rosenblüten - so lange bis die Batterien einfrieren. Es war - 6° kalt. Die Zeit für so eine Foto-Session ist eh kurz. Es muß schon ziemlich hell sein, aber die Sonne darf noch nicht in den Garten
scheinen. Denn dann sind erstens die Kontraste zu stark (vor allem für Dia-Filme) und zweitens tauen die Sonnenstrahlen rasend schnell die Eiskristalle auf den Blütenblättern. Überhaupt ist es das erste
Mal in den sieben Jahren "Höhenblick", daß ich diese Gelegenheit bekomme. Es müssen natürlich noch ein paar Rosenblüten da sein und es muß so starker Frost herrschen, daß die Feuchtigkeit in der Luft auf
den Blüten gefriert. Die
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Rose, die mir den Gefallen getan hat, noch reichlich Blüten zu haben, war "The Dark Lady". - Abends an diesem Tag sind die ersten
vereinzelten Schneeflocken in der Luft - vier Wochen zu früh gegenüber der langjährigen Erfahrung.
Dafür entschädigt die erste Novemberdekade mit beständigem, ruhigem und relativ mildem Hochdruckwetter. Dann
ist es ein paar Tage unbeständig, aber in der letzten Dekade frühlingshaft mild. Viel Regen ist auch im Herbst nicht gefallen.
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