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Winter 1998/99
Der Dezember fängt mit Schnee und Frost an. Dennoch werden die Vogelhäuschen und Meisenknödel nur zaghaft besucht. Das läßt mich schon ein
mögliches Vogelsterben aufgrund des monatelangen Dauerregens im vergangenen Jahr befürchten.
Am 2. Advent dann plötzlich ganze Heerscharen von Feldsperlingen am großen Vogelhäuschen, es sind an die 30 Vögel! So viele waren bei uns
noch nie zu sehen. Einen Buchfink und eine Heckenbraunelle, die ich zum ersten Mal sicher bestimme, übersieht man fast bei dem Getümmel.
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Anfang Januar hängt ein ganzer Schwarm Dompfaffen wie leben- dige Früchte im oberen Astwerk des alten Pflaumen- baumes.
Scheinbar fressen sie Knospen. Dicke, fette Burschen sind es, drei Männ- chen und fünf Weib- chen. Man sieht mal wieder, wie wichtig alter Baumbestand ist.
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In diesem Winter, in dem es im Januar wärmer ist als an manchen kühlen Sommertagen, gibt es nicht viel zu sehen an Singvögeln. Seit dem
vorübergehenden Wintereinbruch Mitte November - Anfang Dezember ist keine Winterfütterung mehr notwendig. Nur weiter oben im Vogelsberg bei 500 - 600 m Höhe erleben wir Ende Januar mit unserem Hund Henry mal ein
verschneites winterliches Wochenende.
An einem windigen Februartag bekomme ich die ersten Grünfinken des ganzen Winters zu sehen. Mehr als 20 Exemplare sitzen hoch oben in den
alten Obstbäumen, machen ein bißchen Rast, peilen die Lage und putzen sich. Später schwärmen sie aus und suchen in den Büschen und auf der Wiese nach Insekten, Sämlingen und was sonst. Schöne Tiere.
Wiederholt ist auch wieder der kleine Schwarm Dompfaffen zu sehen.
Außerhalb vom Ort in einem lichten Wald entdecke ich einen riesigen Schwarm Grünfinken (?), die in einem Schwarzerlen-Hain sitzen, mehrmals
auffliegen und sich wieder sammeln. Es müssen mehr als 100 Exemplare sein. - Der Februar bringt noch einmal viel Frost und Schnee.
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Frühling 1999
Ende März bei sonnigem, frühlingshaf- tem Wetter steigern die Vögel merklich ihre Aktivitäten. Nach 2-3 Jahren ge-
lingt es mir endlich, den Vogel zu be- stimmen, der in den Abendstunden auf hohen Baumwipfeln singt und mit hin- reißend schönem Gesang die Aufmerk- samkeit auf sich zieht: eine Singdrossel ist
es.
Mitte April gelingt es mir zum ersten Mal, ein Vogelnest mit brütenden Am- seln in der Hecke zu identifizieren. Eine Amsel
war nach raschem Tiefflug in der Hecke verschwunden und hatte mir so das Nest verraten. Das Nest war noch
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leer, einige Tage später lagen 3 Eier drin, und wieder 10 Tage später konnten wir kleine Amselchen, noch blind, sehen.
Leider hatten auch Elstern das Nest ausgespäht. Und so nahm das grausige Schicksal seinen Lauf. Ich höre unten aus dem Wohnzimmer meine Frau
voller Entsetzen rufen: "Sie hat's geholt! Sie hat's geholt!" Da kam schon jede Hilfe zu spät. Eine Elster hoppste halb, flog halb, von hilflos schnatternden Amseleltern verfolgt, über die Wiese, aus
ihrem Schnabel hing etwas wie ein kleiner Sack, scheinbar schon leblos oder vom Schock gelähmt: ein Amseljunges. Im nächsten Moment flog die Elster weg in die Bäume. Einen Tag später war das Nest ganz leer.
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Der Juni ist recht trocken und sonnig, dabei nachts ziemlich frisch. Das schönste Bild des ganzen Sommers: zwei Distelfinken,
die vielleicht farbenprächtigsten heimischen Vögel, sitzen auf abgeblühten Flockenblumen und holen sich geschickt die Samen aus den Blütenständen. Lange kann ich sie beobachten. Irgendwann gibt es doch
einmal die professionelle Foto-Ausrüstung mit Teleobjektiv!
Nicht zu vertreiben sind die Elstern. Kräftigen und gesunden Nachwuchs haben sie bekommen, dank ihrer räuberischen und gierigen
Eltern.
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Es sind Situationen, in denen die Vögel sich unbeobachtet fühlen, in denen es etwas Interessantes zu sehen gibt. Grünfinken
haben scheinbar zwei Junge großgezogen. Die Familie schart sich um unseren Borretsch, teils am Boden, teils hängen sie in den Pflanzen und holen sich die Samen. Ein Rotschwanz sitzt mit typisch wippendem
Schwanz auf dem Garagendach, schwirrt geschwind zum Boden und schnappt Insekten teils in der Luft. Der Sommer ist warm und weiter recht trocken.
Ringeltauben haben sich angesiedelt. Ruhig und gemächlich schreiten sie die Wiese auf der Suche nach Insekten und schmackhaften
Blättchen ab.
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Im nach der Sonnenfinsternis beginnenden Spätsommer läßt sich im Garten, in dem wir samenbildende Blumen und Kräuter noch etwas stehen
lassen, an den Vogeltränken immer wieder gut beobachten, welche der in unseren Breiten dominanten Arten - erstens in dieser Jahreszeit gerne in Gärten sind und - zweitens erfolgreich Junge aufgezogen haben:
Kohl- und Blaumeisen, Grünfinken, Feldsperlinge.
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Herbst 1999
Der Spätsommer ist ungewöhnlich trocken und heiß und bringt mitten im September Temperaturen um die 30 Grad. Scharen von Vögeln versammeln
sich an der Tränke im Garten, auch ein selten zu sehender Kernbeißer. Ein anderes Exemplar lag leider tot im Beet. War es das Wiesel, das sich frech bis auf unser Grundstück gewagt hatte?
Spechte sind häufig zu sehen. Ein junger Buntspecht, zu erkennen an der noch gänzlich roten Kopfoberseite, klettert, hüpft, fliegt behend in
der großen Eberesche herum, die vor Trockenheit schon ihre Blätter verliert. - Später am Vormittag nimmt ein gewaltiges Specht-Exemplar ein ausgiebiges Bad in unserem Mini-Gartenteich. Die Bestimmung fällt schwer.
Auffällig ist das gestreifte Gefieder. Scheinbar ein junger Grünspecht.
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Der Oktober bringt sonnige, klare, aber recht kühle Tage. Im Garten blühen noch die letzten Herbststauden. Über mehrere Tage
hinweg sehe ich nachmittags immer wieder einen kleinen Admiral-Falter herumfliegen. - Fallobst lockt Tiere an, die man im Garten sonst nicht so häufig zu sehen bekommt. Ein Eichelhäher sucht sich ein
paar herunliegende Pflaumen zusammen. Dafür interessiert sich dann auch ein Eichhörnchen.
Ende Oktober ein interessantes Schauspiel. Ein Buntspecht (Weibchen, schwarzer Schei- tel) hängt an unserem jungen
Walnußbaum, drückt eine Nuß in einen Spalt in der Rinde, um dann die Schale mit Schnabelhieben öff- nen zu können. Experten sprechen von der "Spechtschmiede". Wenig später beobachte ich auch das
Männchen (roter Scheitel) im alten Birnbaum nach Insekten stochern.
Was wir diesen Herbst erstmals nicht sehen, sind die Dompfaffen. Aufgrund des unge- wöhnlich trockenen und warmen Witterungs-
verlaufes sind die Beeren der Eberesche schon vorzeitig vertrocknet und herunter- gefallen und stehen den Vögeln nicht zur Verfügung. Sie hätten sie gut gebrauchen können, denn wie bereits in 1998
und 1996 zieht Mitte November der Winter mit viel Schnee und teilweise auch tagsüber leichtem Frost ein.
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All images © Peter Eisenburger
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