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Regain - das war die (für alle Altersgruppen geöffnete) Jugendherberge bei Saignon im Luberon.

Von Saignon aus geht man 4 km über ein Hochplateau und folgt kleinen Hinweisschildern, bis am Rande einer Schlucht die ersten Kalkstein-Gebäude auftauchen.

Der überwältigende Eindruck, als ich in hochsommerlicher Provence-Hitze dürstend den ganzen weiten und steilen Weg von Apt nach Saignon und von dort nach Regain mit meinem Rucksack gewandert war und dann an der Schlucht die Felsenstufen in den Hof hinunterging, wo ein Brunnen plätscherte und freundliche Menschen im Schatten eines Feigenbaumes saßen, bleibt mir unvergesslich.

Und das beste kam erst noch: die provencalischen Mahlzeiten mit einem regionalen Rotwein, von dem jeweils ein paar etikettenlose Flaschen auf den Tisch gestellt wurden. Es war die Oase, an die der Fremde nach tagelangem Marsch durch die Wüste gelangt.

Mancherlei - am schrieb das Jahr 1984 - war spartanisch. Schlafsaal (Einzelzimmer gab es nur für erwachsene Paare). Dusche zu dieser Zeit noch Fehlansage. Es gab am Hang eine durch Vegetation leicht versteckte Felsendusche. Das Wasser war eiskalt.

Aber wen störten diese Bedingungen schon, solange das herrliche Essen für umgerechnet 10 Mark aufgetischt wurde (inkl. Wein in moderaten Mengen - wer mehr wollte, konnte zukaufen), solange man nachts in bereits kühler Luft den unglaublich sternenklaren Himmel sehen und am nächsten Morgen wieder unterm Feigenbaum sein französisches Frühstück mit Milchkaffee, Baguette, Butter und Orangenmarmelade einnehmen konnte?

Regain
aus meinem Reisetagebuch, 21. Juli 1984


Regain, das ist:

Eine hoch an einen Hang an den Felsen gebaute Herberge (mit Nebengebäuden) im Luberon-Bergland.

Der Luberon: ein Kalkgebirge, zum größten Teil bewachsen und z. T. bizarre Gesteinsformationen, an den Hängen Mohn-, Lavendel- und  Weinfelder, kleine Bergdörfer mit den typischen Kalksteinhäusern. Typisch für den Luberon auch die überall herumstehenden Bories, die Druidenhäuschen.

Regain, das sind:

François Morenas, ein alter Kauz, ein Original, ständig einen Singsang von sich gebend - “d’accord, ça va, bon, c’est bon, voilá, ça va, commissar” - , der das Vaucluse-Gebiet wie seine Westentasche kennt und zahlreiche Rundwege markiert und in Broschüren beschrieben hat.

In einer Art Hütte unweit der Herberge hat er ein Kino eingerichtet, in dem er alte, dramatische deutsche Stummfilme wie die erste “Faust”-Verfilmung, die mich sehr beeindruckt hat, zeigt.

Früher fuhr er mit einem “cinéma ambulante” über die Dörfer - auf deutsch würde man sagen “Kulturarbeit” (und das ist deutsche “Spracharbeit”). Hier stelle ich mir dieses fahrbare Kino so vor, daß es in das Leben so einbezogen ist und so viel Spaß macht, daß der Begriff “Kulturarbeit” eine Verzerrung ist.

Claude Morenas, François’ Frau, eine Künstlerin, hat hervorragende, leicht kubistische Bilder gemalt, schreibt und veröffentlicht Gedichte. Eine große, kräftige Frau, ruhig, war, wie ich hörte, sehr krank und leitet seitdem die Jugendherberge nicht mehr, wirkt auch immer noch etwas leidend.

Frédérique, die Tochter von François und Claude, eine große, sehr schlanke, aber trotzdem sehr fraulich wirkende Französin, Mitte zwanzig, die mit ihren langen blonden Haaren und ihren leicht scharf geschnittenen Gesichtszügen, ihren großen hellblauen Augen und dunklen, lang gezogenen, ausgeprägten Augenbrauen in ihrer Bewegung, ihrer Sprache, ihrer Mimik gleichviel Sensibilität wie Selbstbewußtsein ausdrückt. Dabei wirkt sie auf mich melancholisch, ja etwas verzweifelt. (...)

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Bei einem von François Morenas (links im Bild) arrangierten Ausflug nach Travaillon, einem verlassenen Dorf im Luberon-Gebirge.

Mir kam die Ehre zu, mit François die Vorhut zu bilden. Das wurde einfach so bestimmt. Sich gegen François, der sehr launisch sein konnte, zu wehren, war sinnlos. Wir waren zwei Stunden vor der Gruppe vor Ort und bereiteten die improvisierten Tische und Bänke sowie ein Feuer vor, über dem Lammkeule gegart wurde. Dass Rotwein dazu gereicht wurde, war selbstverständlich.

Überhaupt ließ sich François immer etwas für seine Gäste einfallen. Ausgedehnte Wanderungen durch den unerschlossenen Luberon waren obligatorisch.

 

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Die beiden Fotos zeigen den Hof vor der Herberge. Die Gesellschaft ist beim Frühstück. Auf den Bildern sind vier Nationalitäten vertreten.

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Im Hauptgebäude von Regain mit einem Bild von Claude Morenas im Hintergrund. Links im Vordergrund sieht man einen Teil der Felswand, die dem Gebäude als eine der Außenwände dient.

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François Morenas, der “kleine Prinz des Luberon”, verstarb im Oktober 2006 im Alter von 93 Jahren, seine Frau Claude starb im Juni 2009.

Die Autoren mehrerer Blogs und Zeitungsartikel erinnern sich:

Luberon en deuil - La mort de François Morenas

Artikel von “La Provence” zum Tod von François Morenas vom 16. Oktober 2006

Luberon en deuil [suite et fin] – La mort de Claude Morenas

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Die Herberge ist heute ein Chambre d'Hôtes und firmiert unter neuer Führung sowie neuem Stil unter dem Namen “Regain le Colombier”. Obige Fotos sind als historisch anzusehen.