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Regain aus meinem Reisetagebuch, 21. Juli 1984
Regain, das ist:
Eine hoch an einen Hang an den Felsen gebaute Herberge (mit Nebengebäuden) im Luberon-Bergland.
Der Luberon: ein Kalkgebirge, zum größten Teil bewachsen und z. T. bizarre Gesteinsformationen, an den Hängen Mohn-, Lavendel- und Weinfelder, kleine Bergdörfer mit den typischen Kalksteinhäusern. Typisch für den Luberon auch die überall herumstehenden Bories, die Druidenhäuschen.
Regain, das sind:
François Morenas, ein alter Kauz, ein Original, ständig einen Singsang von sich gebend - “d’accord, ça va, bon, c’est bon, voilá, ça va, commissar” - , der das Vaucluse-Gebiet wie seine Westentasche kennt und zahlreiche Rundwege markiert und in Broschüren beschrieben hat.
In einer Art Hütte unweit der Herberge hat er ein Kino eingerichtet, in dem er alte, dramatische deutsche Stummfilme wie die erste “Faust”-Verfilmung, die mich sehr beeindruckt hat, zeigt.
Früher fuhr er mit einem “cinéma ambulante” über die Dörfer - auf deutsch würde man sagen “Kulturarbeit” (und das ist deutsche “Spracharbeit”). Hier stelle ich mir dieses fahrbare Kino so vor, daß es in das Leben so einbezogen ist und so viel Spaß macht, daß der Begriff “Kulturarbeit” eine Verzerrung ist.
Claude Morenas, François’ Frau, eine Künstlerin, hat hervorragende, leicht kubistische Bilder gemalt, schreibt und veröffentlicht Gedichte. Eine große, kräftige Frau, ruhig, war, wie ich hörte, sehr krank und leitet seitdem die Jugendherberge nicht mehr, wirkt auch immer noch etwas leidend.
Frédérique, die Tochter von François und Claude, eine große, sehr schlanke, aber trotzdem sehr fraulich wirkende Französin, Mitte zwanzig, die mit ihren langen blonden Haaren und ihren leicht scharf geschnittenen Gesichtszügen, ihren großen hellblauen Augen und dunklen, lang gezogenen, ausgeprägten Augenbrauen in ihrer Bewegung, ihrer Sprache, ihrer Mimik gleichviel Sensibilität wie Selbstbewußtsein ausdrückt. Dabei wirkt sie auf mich melancholisch, ja etwas verzweifelt. (...)
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