
An der Garage gelang es z.B., ein verschüttetes und stark zugewuchertes Beet wiederher-
zurichten und eine Sandstein-
umfassung freizulegen. Im darauffolgenden Frühling 1998 eine Überraschung - in diesem Beet
kommen Unmengen von Primeln zum Vorschein. Ich zähle über 60 Kissen in verschiedensten Farbtönen. An der warmen weißen Südwand ziehen sich nun Rosen und Wein empor.
Im naturnahen Bereich des Gartens macht sich schnell eine größere Artenvielfalt an Wildpflanzen bemerkbar. Veilchen sind über unsere Wiesen gestreut. Im Schatten der Hecke an der Südseite des Grundstückes stehen Lerchensporn und Buschwindröschen. Scharbockskraut überall. Ungewöhnlich: eine weiße Schlüsselblume.
Auch im geplanten und durchgestalteten Gartenbereich lassen wir selbstausgesäte Pflanzen wachsen: Fingerhut, Malven, Mutterkraut, Schafgarbe..
Je mehr wir das Grundstück kennenlernen, desto mehr erkannten wir, wie überlegt der Garten einmal angelegt war. Wir bemühen uns fortan, verschüttete Strukturen wieder freizulegen und Veränderungen nur schrittweise vorzunehmen.


Frühling 1997
Sommer 1997

Ein Erfolgserlebnis ist es immer, vorgefundene Pflanzen zu bestimmen, was mir in einigen Fällen erst nach Jahren gelingt, da teilweise und glücklicherweise nicht das Standardrepertoire der Gartencenter verwendet wurde. Das, was am Haus und an der Garage nach den Tulpen und Narzissen wie ein Zwischending zwischen Hyazinthen und Schneeglöckchen wächst, ist das "Spanische Hasenglöckchen" (Hyacinthoides). Es gibt wenige weiße, mehr rosafarbene und hellblaue (letztere können wegen der überlang werdenden lanzettartigen Blätter lästig werden, eignen sich aber deshalb auch als Bodendecker). An einer Stelle im Gebüsch lege ich Federgras (Stipa gigantea) frei.
Herbst 1999
Wo Wiese war, kommt ein Rhabarber zum Vorschein, an anderer Stelle eine herrliche weiße Pfingstrose, über die jahrelang buchstäblich ge-
mäht wurde; wunder-
bare Kletterrosen mit cremefarbenen Blüten können sich wieder frei entwickeln, nachdem sie von

aggressiven Brombeertrieben befreit sind; Erdbeeren müssen auch mal in diesem Garten gewachsen sein; in einem Beet vor dem Haus blühen Hornveilchen unentwegt, nachdem das gräßliche Cotoneaster-Gewirr und gewucherte Koniferen entfernt sind; kaum im Unkraut auszumachende vereinzelte Himbeerruten erweisen sich als Kulturform mit dicken wohlschmeckenden Früchten (anders als eine, vor Einsatz des Spatens, an anderer Stelle hemmunglos verbreitete Wildform mit völlig wertlosen Beeren).

mit Ringelblumen, Mohn, Levkojen, Löwenmäulchen, Margeriten, Jungfer im Grünen und Kräutern belohnt. Zunächst orientierten wir uns am Stil eines Bauerngartens und integrierten auch das Konzept eines naturnahen Gartens, um Lebensraum für Insekten und Vögel zuzulassen oder neu zu schaffen.

Im Sommer 1996 bezogen wir in einer ländlichen Gegend* ein Haus, das Anfang der 50er Jahre in einem für die damalige Zeit großzügigen Stil errichtet wurde. Das Grundstück ist mit
2000 qm sehr groß bemessen.
Über viele Jahre war der Garten verwildert
und die ersten beiden Jahre verbrachten wir damit, einmal angelegte Strukturen zu erkennen und im Frühjahr 1997 zunächst einmal einige wenige Beete anzulegen und zu bestellen. Im Sommer wurden wir

Juni 2002
* Das Anwesen liegt im östlichen Wetteraukreis zwischen Gießen und Fulda.
Jahre später erfahren wir, daß die Anlage von einem damals führenden Gartenarchitekten namens Grünewald geplant wurde.
geschrieben 1997-1998

Nachtrag Mai 2003:
Diese rosafarbene gefüllte Pfingstrose brauchte 6 Jahre, um sich so weit zu erholen, daß sie wieder blühte.
Die Zeit geht weiter. Am 21. März 2004 beginnt der Umzug des Gartens. Die Rosen werden gekürzt und ausgegraben. An Folgetag setze ich sie unter wiederholten heftigen Hagelschauern in einen Garten im Westerwald, wo sie 1-2 Jahre im Exil leben sollen, bis der neue Standort feststeht.