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Als ich am frühen Abend des 26. Mai 2003* - es ist ein nicht sehr
warmer, aber doch frühlingshafter Tag - im Garten stehe, denke ich das erste Mal: 'Ich bin zufrieden. Der Garten gefällt mir gut.' 6 Jahre Arbeit des Gärtners und der Natur.
Ich stehe inmitten eines Meers von
Farben und Formen. Blüten, Blätter und Aufteilung ergeben ein stimmiges, harmonisches und anregendes Gesamtbild. Die Beete sind schön füllig. Die Lücken, die die Kulturpflanzen lassen, sind mit Wildstauden gut
gefüllt. Die Wildwiese und die von mir angelegte Hecke zur Linken geben einen passenden Rahmen und Rückhalt.
Aber: So ein naturnaher und in einem Zustand gepflegter Verwilderung gehaltener Garten macht sehr
viel Arbeit. Man muß die Beete ständig kontrollieren und kann nicht großflächig mit der Hacke reingehen.
Meine anfängliche Entscheidung, möglichst viel von den ehemals gezogenen Pflanzen in dem verwilderten
und verwahrlosten Garten zu erhalten und wiederzugewinnen, hat sich bestätigt. Ein Vermächtnis dieser Entscheidung bleibt aber bestehen: immer wieder durch- dringendes, sich durch Wurzelausläufer aus-
breitendes Unkraut wie die Ackerwinde. Die grünen Rasen- (Wiesen-) wege sind ebenfalls sehr pflegeaufwendig.
Alle Monate des Sommerhalbjahres sind zunehmend mit blühenden Pflanzen gefüllt. Den Mai, den Monat
vor der Rosenblüte, prägen jetzt z.B. die vielfältigen Formen und Farben der Akeleien.
So wie der Garten ist, sieht er gesund aus. Die Anwesenheit vieler Vögel und Insekten bestätigt das. Nur gegen Schnecken
und Rosenschädlinge und -krankheiten gehe ich rigoros vor.
Nach meiner Erfahrung wirkt ein Garten in solch einer ländlichen Umgebung am besten, wenn er geprägt ist von Pflanzen, die in Wild- formen auch in
der natürlichen Umgebung vorkommen. Ich denke dabei an Stauden wie Glockenblumen, Storchschnabel, Ehrenpreis, Nelken, Astern usw.
Ergänzt wird dieser Bestand um Wildstauden wie Flockenblumen, Margeriten,
Fingerhut und Weidenröschen, die zwischen dem Garten und der umgebenden Natur vermitteln. Eine weitere passende Ergänzung sind Stauden der nordamerikanischen Prärien wie z.B. Sonnenhut-Arten.
Pflanzen, die
ursprünglich einen exotischen Ursprung haben, aber in unseren Bauerngärten fest "eingebürgert" sind, wie Dahlien, Horten- sien und Sonnenblumen runden das Bild ab.
Welche Rosen - ich habe im Jahr 2003 ca.
50 verschiedene Rosenarten, teils in mehreren Exemplaren - wirken in einem so angelegten Garten am besten? Die Antwort ist eindeutig: Strauchrosen und Kletterrosen. In einem Steingarten-ähnlichen Beet setze ich auch
Bodendecker-Rosen ein.
Auch bei Obst machen sich alte heimische Sorten wie Äpfel und verschiedenenes Beerenobst am besten.
Ein so aufgebauter Garten sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch eine
gesunde Lebens- gemeinschaft von Tieren und Pflanzen. Auf Wässern und Düngen kann weitgehend verzichtet werden. Wasser reiche ich nur bei neu gepflanzten Exemplaren und in extremen Trockenperioden.
Sechs
Jahre. Doch wie so oft, gerade auch in der Natur, zeichnet sich im Höhepunkt von etwas auch schon dessen Ende ab. Ein Jahr nach diesem 23. Mai wird vom Garten nicht mehr viel übrig sein. Die meisten Pflanzen sind
ausgegraben und vorübergehend im Westerwald untergebracht, wo sie auf ihren neuen Standort warten.
* Das Bild entstand aber
morgens, wie man am hellen und eher weißen Licht sieht.
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